Binnenwirtschaftliche Nachfrage wegen Minderverdiensten gestoppt
Zunächst danke ich dem interessierten Leser für den gestrigen Telefonanruf. Es ging darum, dass abzuschätzen war, ob in Deutschland eine Chance für die Steigerung der binnenwirtschaftlichen Nachfrage besteht und die Möglichkeit besteht, dass durch verstärkte binnenwirtschaftliche Nachfrage durch erhöhtem privaten Konsum ein Wirtschaftsaufschwung möglich ist.
Eines der wichtigsten Kriterien ist die Verdienststatistik – ermittelt im Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes zum Zeitpunkt 12/2006. Da, wie bekannt, in erster Näherung die Bruttoverdienste sich nicht verändert haben, kann man die Zahlen von 2006 aufzeigen und interpretieren ( über 20 Millionen Beschäftigungsverhältnisse ).
1. Bruttojahrs-/monatsverdienste Männer/Frauen
Bild 1: Bruttojahresverdienst Männer/Frauen
Bild 2: Bruttomonatsverdienst Männer/Frauen
Bei den Bruttomonatsverdiensten Männer/Frauen kann man recht gut die Differenz der Verdienste erkennen. Es wird deutlich, warum eine unternehmerhörige CDU verstärkt auf Frauenarbeit setzt: damit das Lohnniveau sich weiter absenkt! Mit sinkendem Lohnniveau sinken auch die Rentner- Steigerungsbeträge. Damit kann der Staat eine Menge Geld sparen. Es profitieren also von verstärkter Frauenarbeit Unternehmer und der Staat – nicht jedoch Familien.
2. Summenhäufigkeit Bruttojahrs-/monatsverdienste Männer/Frauen
Bild 3: Bruttomonatsverdienst Männer/Frauen
Während zwischen Männern und Frauen eine ( im relativen Maximum ) Monatsdifferenz von 2450-1500=950 Euro besteht, gibt es eine Gemeinsamkeit: in nicht unbeträchtlicher Größenordnung haben wird deutlich 2 typische Beschäftigungsklassen:
- Geringverdiener
- Normalverdiener.
Die Statistiker sagen, dass, wenn eine Kurve aus einer Grundgesamtheit 2 Höhepunkte hat, dann liegen 2 völlig unterschiedliche Sachverhalte vor. Man kann also hier die Normalverdiener von den Geringverdienern deutlich abtrennen! Man sieht den Einfluss der 400 Euro Jobs recht gut!
2. Summenhäufigkeit Bruttojahrs-/monatsverdienste Männer/Frauen
Was bedeutet “Summenhäufigkeit”?
Wenn man die Prozentwerte der einzelnen Monatsverdienstklassen aufaddiert, dann erhält man die statistische Summenhäufigkeit. Man erhält eine Aussage über die Verteilung der Einzeldaten, die ermöglicht zu sagen, wie viele Prozent unterhalb eines bestimmten Monats- oder Jahresverdienstes liegen.
Eine solche Zahl ist dann wichtig, wenn man weiß, dass bei ca. 900 Euro/Monat die definierte Armutsgrenze liegt.
Bild 4: Summenhäufigkeit Bruttojahresverdienst Männer/Frauen
Bild 5: Summenhäufigkeit Bruttomonatsverdienst Männer/Frauen
Nimmt man die Armutsgrenze von rund 900 Euro an, dann erkennt man in dem obigen Schaubild 4, dass rund 30 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer und rund 10 Prozent der männlichen Arbeitnehmer weniger als das Armutseinkommen erhalten. Zusammengenommen erhalten also rund 40 Prozent der Arbeitnehmer weniger als das Armutseinkommen.
3. Kaufkraftverlust durch Teuerungsrate
Nicht nur in der Deutschland-Debatte wird die vom Statistischen Bundesamt ermittelte Teuerungsrate angezweifelt. Professor Brachinger hat hierzu eine besondere Analyse erstellt; leider verwendet er den etwas “unglücklichen” Begriff der gefühlten Teuerung, meint jedoch die von den Haushalten wahrgenommene Teuerung.
Dazu folgende Statistik, die die unterschiedlichen Teuerungsraten aufzeigt:
| Kaufkraftschwund bei einer tatsächlichen Teuerungsrate von … Prozent | ||||||||||||||||||||
| 1% | 2% | 3% | 4% | 5% | 6% | 7% | 8% | 9% | 10% | |||||||||||
| 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | |||||||||||
| 2007 | 99,00 | 98,00 | 97,00 | 96,00 | 95,00 | 94,00 | 93,00 | 92,00 | 91,00 | 90,00 | ||||||||||
| 2008 | 98,01 | 96,04 | 94,09 | 92,16 | 90,25 | 88,36 | 86,49 | 84,64 | 82,81 | 81,00 | ||||||||||
| 2009 | 97,03 | 94,12 | 91,27 | 88,47 | 85,74 | 83,06 | 80,44 | 77,87 | 75,36 | 72,90 | ||||||||||
| 2010 | 96,06 | 92,24 | 88,53 | 84,93 | 81,45 | 78,07 | 74,81 | 71,64 | 68,57 | 65,61 | ||||||||||
| 2011 | 95,10 | 90,39 | 85,87 | 81,54 | 77,38 | 73,39 | 69,57 | 65,91 | 62,40 | 59,05 | ||||||||||
| 2012 | 94,15 | 88,58 | 83,30 | 78,28 | 73,51 | 68,99 | 64,70 | 60,64 | 56,79 | 53,14 | ||||||||||
Bild 6: Kaufkraftverluste durch Teuerungsraten 1% … 10% für 6 Jahre ( 2007 bis 2012 )
Wir wissen, dass die EU bislang eine Teuerungsrate von etwa 2 Prozent zu erreichen suchte. Vergessen Sie die Daten des Statistischen Bundesamtes: es sind politische Vorgaben des Bundesinnenministeriums, das dem Statistischen Bundesamt vorsteht.
Bezogen auf diese angestrebte Teuerungsrate für den Beobachtungs- Zeitraum reduziert sich die Kaufkraft immerhin um 12 Prozent; das heißt, Sie können nur noch 9 Zehntel innerhalb von nur 6 Jahren kaufen.
Wir wissen, das zeigen die heutigen Diskussionen der EU- Kommission, dass eine Teuerungsrate von 3 oder mehr Prozent erwogen wird. Das heißt, Sie können nur noch 8 Zehntel innerhalb von nur 6 Jahren kaufen. Rund 20 Prozent werden “aufgezehrt”, nicht von Ihnen, sondern von der Geldentwertung.
Im Zusammenhang mit den unvorstellbaren Geldströmen wird oft von einer starken Inflation/Hyperinflation gesprochen. Nähme man an, die Hyperinflation würde 6 Jahre mit jährlich 10 Prozent anhalten, dann
- ist Ihr Vermögen nur noch die Hälfte wert, die andere Hälfte ist durch Geldentwertung entfallen ( verbrannt )
- hat der Staat statt einer heutigen Verschuldung von ca. 1,7 Billionen Euro nur noch eine Verschuldung von 0,85 Billionen!
4. Ergebnis Einkommensentwicklung und Kaufkraftverlust
Es ist in diesem Artikel nicht die Aufgabe, einen “gerechten” Lohn zu definieren. Dass ca. 40 Prozent der Arbeitnehmer ein Einkommen von unterhalb der Armutsgrenze haben, lässt bezüglich einer binnenwirtschaftlichen Nachfrage nicht hoffen.
Eine von mehreren Staaten der EU geforderte Ankurbelung der binnenwirtschaftlichen Nachfrage ( Reduzierung des Handelsbilanzüberschusses ) setzt aber voraus, dass in den unteren Einkommensregionen mehr verdient werden müsste. Dass ein solches Begehren auf erheblichen Widerstand der exportorientierten Industrie stößt, dürfte klar sein.
Es darf zum Abschluss auch nicht die Kritik gegenüber obigen Darstellungen fehlen:
Hier sind lediglich die legalen Einkommen erfasst. Es mehren sich die Stimmen, die von erheblicher Schwarzarbeit reden. So ist doch manchmal nicht ganz logisch, wenn Leute zum Beispiel Fahrzeuge fahren, die der selbst verlautbarten Einkommensklasse nicht entsprechen. Man sollte sich also klar sein: in den obigen Statistiken steckt keine unbekannte Dunkelziffer, an dessen Aufklärung der Staat NICHT interessiert ist.
Warum ist der Staat derzeit nicht interessiert daran, Schwarzarbeit zu bekämpfen? Wir haben insgesamt nicht genügend Arbeit. Die Weltwirtschaft ist am Boden, nicht nur dieses Jahr, vielleicht noch die nächsten 5 Jahre. Würde der Staat heute die Schwarzarbeit verfolgen, dann müsste diese im breiten Stil aufgegeben werden. Das aber bedeutet, dass die binnenwirtschaftliche Nachfrage im den Schwarzarbeiteranteil sinken wird. Das wäre eine zusätzliche konjunkturelle Schwächung in einer ohnehin schwachen Zeit.







Gerade gefunden:
“Der Chefvolkswirt Olivier Blanchard legt den Notenbanken nahe, ihr Inflationsziel von zwei auf vier Prozent zu erhöhen. Ist das sinnvoll?“