Die Deindustrialisierung und ihre Folgen
1. Sachverhalt – Deindustrialisierung
„NAFTA, die Vereinbarung zu einer nordamerikanischen Freihandelszone, schuf ab 1994 eine zollfreie Region zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Aber dies ist nur ein Teil der Geschichte. Die Welthandelsorganisation (WTO) nahm ihre Arbeit im Jahr 1995 auf leisen Sohlen auf, und ermutigte zur Schaffung einer Art globalen NAFTA, die alles zuließ, außer der Eliminierung der internationalen Handelsbeschränkungen. China wurde im November 2001 aufgenommen und seitdem hat der US-Bundesstaat Michigan fast 400.000 Jobs im produzierenden Gewerbe oder 50% seiner industriellen Arbeitskräfte eingebüßt. „Alles hat seine Wurzel bei den großen Drei [Anm.: GM, Ford und Chrysler]“, sagte Szalay über die zu beklagenden Arbeitsplatzverluste“, schreibt Wirtschaftsfacts in einem der erschütterndsten Berichte, die je zu finden waren.
Hier wird von einem Familienvater gesprochen
- der einmal 70.000 Dollar im Jahr verdiente,
- der nun 8,50 Dollar in der Stunde verdient, also rund 14.000 Dollar im Jahr
und glücklich ist, überhaupt einen Job zu haben, weil in seinem Ort die Welt am Ende ist, meint, es gibt keine Arbeitsplätze, weder hier, noch sonst wo.
Hier wird von einem Familienvater gesprochen
- der Finanzanlagen beriet,
- der nun Schrauben zählt und reinigt.
Hier wird von einem Familienvater gesprochen
- der Anzüge trug,
- der nun mit ölverschmierten Klamotten herum läuft
und glücklich ist, sich das Wenige überhaupt leisten zu können!
„Sie lagerten komplette Fabriken, ganze Industrien nach Übersee aus. „Jetzt ist alles jedoch zu weit gegangen. Wir haben hier gar nichts mehr. Ich stelle hier Leute für Sklavendienste an, nur um weiter zu machen. Und ich habe furchtbare Angst, dass auch dieser Ort umgehen wird. Wie werden wir jemals diese ausstehenden nationalen Schulden zurück bezahlen? Die Konjunkturpakete? Welche Art von Jobs sollen wir versteuern?““ heißt es in diesem Bericht, eine Situationsbeschreibung von dramatischem Ausmaß.
Mexiko, Asien, das heutige Mekka der Finanzindustrie und der Großkonzerne raubt jedem Land die Existenzbasis. Das ist es, wenn wir darüber sprechen, dass zu wenige Arbeitsplätze vorhanden sind. Das sind die Ursachen für die mangelhafte Beschäftigung und die hohe Arbeitslosigkeit.
Es macht wütend zu lesen, dass viele Bürger das Ziel der Vollbeschäftigung aufgegeben haben. Es macht wütend zu lesen, dass lügnerische Argumente der Finanzoligarchie unbewiesene Behauptungen zum Beispiel des Vorteils der Globalisierung anpreisen. Es macht wütend zu lesen, dass die Politik in ihrer grenzenlosen Verblödung oder Verblendung oder Verführung die Segnungen dieser Wirtschaftsordnung anpreist, während der Umfang des Prekariats immer mehr zunimmt, getäuscht von der Durchschnittsbildung bei rasant anwachsenden Einkommen der oberen Einkommensschicht. Es macht wütend zu lesen, dass Angela Merkel, immerhin unsere Kanzlerin, die „Soziale Marktwirtschaft“ ein Erfolgsmodell für die Welt definiert, ungeachtet dessen, dass dieses Erfolgsmodell rund 10 Millionen Arbeitslose und rund 8 Millionen Arme erzeugte und eine Generation arme Bürger vor den Toren des Friedhofs warten. Es macht wütend zu wissen, dass wir gerade erst am Anfang eines gigantischen Niedergangs sind, der insgesamt von zwei Einflussfaktoren bestimmt wird:
- massive Ausweitung des Niedriglohnbereites, der gerade einmal zum minimalen Leben reichen wird
- drastisch verringerte Altersvorsorge mit der Gefahr der Altersarmut breitester Schichten, weil der Niedriglohnbereich keine Vorsorge ermöglichte.
Welch Wunder, dass nun einige Heilsbringer zu Selbstversorgung und wiederentdecktem Kommunenleben verführen wollen, als wenn dies eine Lösung für 40 Millionen Arbeitsplätze wäre.
Welch Wunder, dass es jede Menge Halbwissen und Verschwörungswissen gibt, gewürzt mit den abstrusesten Behauptungen und angstbewehrten Warnungen, die letztlich in obskuren Sitzungen, Entmagnetisierungen, Störfrequenzabsorbern, Beeinflussungsdeaktivierern, CD- Verkaufsorgien münden. Alles Müll! Müll, der von dem einzig wirklichen und gravierenden Geschehen ausweicht: die schleichende Arbeitsplatzvernichtung durch Deindustrialisierung und Dequalifizierung.
Wir alle träumen noch den Traum von einem gesunden Mittelstand, der Stütze der Volkswirtschaft und negieren, dass etwa 15 Millionen Arbeitsplätze nur deshalb existieren können, weil Bürger sich immer noch handwerkliche Leistungen erlauben können. Wehe, wenn diese Basis wegbricht – lange wird es nicht mehr dauern!
Der Kernpunkt ist die Deindustrialisierung, die durch konservative Politik, beginnend mit den Lambsdorff- Vorstellungen der FDP zur liberalisierten Weltwirtschaft in den 70er Jahren, weitestgehend gefördert wurde. Dumme Großmannssucht, Verführungen zum grenzenlosen Reichtum einiger weniger Bürger – genau von denen verseucht, der Besitz von Massenmedien, Massenbeeinflussungsorganen, das sind die Zutaten des immer ungenießbareren Lebensbreis einerseits; Unreflektiertheit, Besserwisserei, Eigenpflege zerstörten Selbstbewusstseins, das sind die Zutaten des immer ungenießbareren Lebensbreis andererseits;
Um alles auf den Punkt zu bringen:
- die Medienmacht, verbunden mit Dauerbeeinflussung und
- die Unfähigkeit der Betroffenen, eine Gegenwehr intelligent aufbauen zu können, das sind die Schwergewichte, die überall offensichtlich sind.
Wer glaubt, an einem kleinen Stellhebelchen drehen zu können und schon ist alles gelöst, der irrt. Die Weltwirtschaftsordnung mit ihrem Götzen namens „Konkurrenz“ in Verbindung mit Zollfreiheit ist das wirkliche Problem.
Konkurrenz bedeutet, es muss über die Merkmale Preis und Qualität alles gesteuert werden. Und bei einem in der Breite immer niedrigeren Einkommen bleibt eigentlich Qualität auf der Strecke, es regiert nur noch der Preis. So kommt es, dass gemäkelt wird, die Käufer würden nur noch „billig, billig, billig“ rufen. Sind es die Käufer oder ein System Konkurrenz, das Umsatz über den Preis gestaltet.
Und was machen die Unternehmer in Deutschland, die noch mehr Umsatz brauchen? Sie beschaffen sich Waren zunächst aus dem Billiglohnland, um über Mischkalkulation noch so eben Gewinne zu machen. Zuerst 10 Prozent, dann 20, dann … und schließlich wird alles aus Vietnam, China, Mexiko … bezogen. „Billig, billig, billig“, weil die Spirale einmal in Gang gesetzt wurde, die bewirkt, dass Reallohnsteigerungen ausbleiben, dass massenhaft Arbeiten verlagert werden ( outsourcing ).
Gut, ich kenne einen Unternehmer, der sagt: prinzipiell nichts aus dem Ausland. Wir brauchen Beschäftigung in Deutschland. Aber glauben Sie nur: das sind die Ausnahmen.
Eine Sonderrolle kommt den Gewerkschaften zu: sie schaffen es einfach nicht, in Lohnverhandlungen adäquate Steigerungen zu erzielen. „Unten“ wird gedarbt, oben wird geprasst, weil 80 millionenfach umverteilt wird. Täglich jeder einen Euro, das sind summa summarum rund 30 Milliarden/Jahr; man überlege sich einmal diese Größenordnung.
Gewerkschaften haben auch deshalb ihre Funktion verfehlt, weil sie trotz einer eigentlich gewaltigen Organisation nichts, rein gar nichts politisch auf die Reihe bekommen. Auch für Gewerkschaften müsste bekannt sein, dass das System „Konkurrenz“ in Verbindung mit Zollfreiheit nicht funktionieren kann und zum Ausverkauf der Volkswirtschaften führt. Aber Gewerkschaften träumen den Traum der Gerechten … Gute Nacht, Herr Sommer GmbH & Co. KG.
2. Was sollte man in dieser Situation tun?
Erste Forderung: Bürger, sagt der geistigen Verschmutzung den eigenen Kampf an. Konkurrenz in Verbindung mit Zollfreiheit als Wirtschaftsprinzip ist unser aller Niedergang! Volkswirtschaften werden dabei einen schnellen Ausverkauf erleben!
Zweite Forderung: Bürger, versucht diese geistige Verschmutzung auch Freunden klar zu machen. Das alles ist total logisch ( siehe oben )!
Dritte Forderung: Bürger, lacht jene aus, nennt jene verblendet, die weiss machen wollen, dass Konkurrenz das non plus ultra ist. Lacht jene aus, die argumentieren, man könne den Zug der Zeit nicht aufhalten. Lacht jene aus, die euch „ewig Gestrige“ nennen! Unsere geistigen Feinde, INSM und andere, wollen diesen Staat dem Finanzoligopol opfern!
Vierte Forderung: Bürger, wir warten auf eine kraftvolle Gemeinschaft. Dann macht mit, auch, wenn nicht alles so 100 prozentig gefällt! Überlebensstrategie ist wichtig!




