Leben in zwei Welten – am Beispiel Fachkräftemangel
Die Süddeutsche Zeitung vom 21. Juli 2009, Seite 17, schreibt einen Artikel „Engpass Wissen” und erläutert, dass das Institut der deutschen Wirtschaft ( IW ) einer jüngsten Untersuchung zufolge festgestellt hatte, dass 61.000 Fachkräfte fehlen. Und schreibt „Und die Lücke wird noch kleiner werden, erwartet das IW”.
Die WELT schreibt am 21. Juli 2009, Seite 10, einen Artikel „Fachkräftelücke wächst trotz Krise” und kommt zu dem Schluss, „Dieses Problem wird noch zunehmen, wie die Verbände auf Basis von Zahlen voraussagen, die das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ( IW ) ermittelt hat”.
Es bleibt zunächst festzustellen, dass die WELT und die Süddeutsche jeweils in einer anderen Filmversion schienen. Die Differenz klärt sich aber leicht auf:
Während nach der Süddeutschen das IW selber die entspannende Prognose wagte, haben bei der WELT die Unternehmerverbände Zeter und Mordio geschrien.
Klar ist, dass Bildung eine große Zeitkomponente beinhaltet. Wer heute nicht vorhanden ist, wer heute nicht „planbar” vorhanden sein wird, der kann keine Lücke füllen, so sie existiert! Klar ist, dass viele Unternehmer sich von „teuren” klugen und altgedienten Mitarbeitern befreit haben, um die Personalbudgets zu entlasten, um die Kosten der Unternehmen zu senken – koste es, was es wolle. Klar ist, dass es eine Unverschämtheit dieser von Frau Merkel so hoch gelobten Wirtschaftsordnung ist, dass alle, wirklich alle Probleme, die wir heute haben, von den freien Unternehmern ausgehen. Sie dürfen unreglementiert die Axt im Walde spielen und die Gesellschaft hat die Flurschäden zu beseitigen. Problem nur ist, dass wir bald an eine Grenze kommen, ab der wir sagen, das Gelände beginnt zu versteppen, zu verwüsten, es ist nichts mehr da, was wir reparieren können!
Man muss den Unternehmerverbänden zurufen: Ihr seid selber daran beteiligt, Ihr seid die Hauptverursacher dafür, dass die Arbeitsmarktlage für Fachkräfte so ist! Schaut Euch doch einmal die Masse an Flitzpiepen in den Unternehmen an: unfähige kleine Könige habt ihr gezüchtet, unfähig, eine Mannschaft mit Herz und Verstand zu führen, nur fähig, Zahlenkolonnen zu interpretieren! Stumpfsinnig blöde habt ihr das Managementwesen der USA importiert und steht, wie die USA, vor einem immer größer werdenden Scherbenhaufen!
Klar ist, was die Unternehmerverbände wollen: die Einwanderung von gut ausgebildeten Billigakademikern, um in einem zweiten Schritt noch mehr deutsche Akademiker ausmustern zu können. Das ist die Wahrheit! Hier wird eine gnadenlose Politik betrieben, die diese Gesellschaft nicht ausbügeln kann, es sei denn, es würde an einer Stelle ein neuer Weg beschritten!
Wie sieht dieser neue Weg aus? Warum sollte der Staat nicht einmal ein Unternehmen gründen, hierfür gute altgediente Manager aus der Wirtschaft mit einem ordentlichen Salär einstellen, Regeln aufstellen, die der Privatwirtschaft entsprechen, um dann als Konkurrenz zur privaten Wirtschaft aufzutreten?
Nein, das hat nichts damit zutun, dass der DDR- Sozialismus mit seiner Staatswirtschaft wieder aufleben soll, das hat was damit zutun, dass der Staat handlungsfähig werden muss und sich nicht immer in die Verteidigerposition drängen lassen sollte.
Wer an dieser Stelle sagt, „der Staat kann es nicht”, ist schlichtweg dumm oder ein Taktiker, weil die Fachkräfte nicht unbedingt dann unfähig werden, wenn sie in den Staatsdienst übergehen! Jene, die sagen „der Staat kann es nicht”, haben ein hohes Eigeninteresse daran, dass eine solche marktwirtschaftliche Variante, in der Privat- und Staatswirtschaft gleichberechtigt gegeneinander antreten, nicht zum Tragen kommt. Dann nämlich hätte der Staat als Unternehmer die Möglichkeiten, alle die Fehler der Privatwirtschaft, angefangen von Kalkulationsmethodik bis hin zur Eigenkapitalquote ( Fremdfinanzierung, einschließlich der Zulieferanten- Prozesskette ) besser zu gestalten.
Fazit:
Die fehlende Transparenz, Eigennutz der Unternehmen, die fehlende Planungssicherheit ist eine Hauptursache für die heutige Problemlage auf dem Fachkräftesektor!
Politiker, Unternehmerverbände
- gründet endlich einen Arbeitskreis, der jungen Menschen eine Prognose über die Fachkräftebedarfe aufzeigt, damit die jungen Bürger ein Ausbildungsfach wählen können, welches mit höherer Sicherheit Beschäftigung ermöglicht; Veröffentlicht jährlich für alle Berufe mittel- und langfristige Bedarfsprognosen!
- Frau Merkel, hören Sie auf, von dem gewünschten „Bildungsdeutschland” zu plappern; gehen Sie da systematisch ran und nicht bierstammtischartig! Sagen Sie, wo Bedarfe sind! Vertiefen Sie Investitionen in Bildung dort, wo mittel- und langfristig Lücken entstehen können. Bringen Sie Transparenz in den heutigen Kramladen Deutschland. Geben Sie dem Bildungsministerium endlich ein neues Betätigungsfeld, das zusammen mit dem Wirtschaftsministerium zum Wohle aller ausgeübt werden kann!
- Heutige und zukünftige Kanzler: Entwickeln die die Marktwirtschaft weiter, Sie, der Sie so reformfreudig sind, unternehmen Sie eine Reform der sozialen Marktwirtschaft dahin gehend, dass Sie zunächst, wie in privatwirtschaftlichen Unternehmen üblich, einen durch Wissenschaft begleiteten Feldversuch machen: eröffnen Sie ein Unternehmen, das Sie führen lassen, wie ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen.
Wo steht geschrieben, dass der Staat keine Unternehmen haben darf? Wo steht geschrieben, dass der Staat sich nicht aus eigenen Unternehmen finanzieren können darf? Wo steht geschrieben, dass innerhalb einer Wirtschaftsordnung unterschiedliche Unternehmensträger gegeneinander konkurrieren dürfen?




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