Das Papiergeldsystem
Die Süddeutsche Zeitung vom 23.7.2009, Seite 18, brachte einen Artikel „Kampf ums gute Geld”, der das System der heutigen Notenbank- Geldmengensteuerung zum Kernpunkt hatte. Es sei in Erinnerung gerufen, dass unlängst noch in einer gewalt(tät)igen Aktion die Europäische Zentralbank ( EZB ) rund 500 Milliarden Euro zu Minimalzinsen den Banken anbot, um, wie die EZB meinte, die Kreditvergaben zu unterstützen. Dass dieses gründlich daneben ging, wird derzeit heiß diskutiert.
Was ist das Geldsystem?
Wir sehen also, dass die Geldmenge M3 fast alles Geld erfasst, welches buchmäßig oder realiter auf dem Markt ist.
Was ist Geld? Geld ist eine „neutrale und künstliche” Einheit, um Güter im weitesten Sinne bewertet bezüglich des Eigentums wechseln zu lassen. Es besteht also ein enger, fixer Zusammenhang zwischen Werten und der Geldhöhe. Im Gleichgewicht sind Werte und Geldhöhen ( Geldvolumen ), wenn die ( Summe der ) Werte dem Geldvolumen entsprechen. Was aber, wenn das Geldvolumen plötzlich vermehrt wird, wobei die Werte unverändert bleiben? Dann muss, wenn es richtig ist, dass ein enger, fixer Zusammenhang zwischen Werten und der Geldhöhe besteht, der Wert plötzlich einen höheren Wert haben, nämlich um den prozentualen Betrag, um den das Geldvolumen sich ausweitete.
Eine vielleicht philosophische Frage ist, kann es möglich sein, dass der Wert eines Gutes zeitvariant ist, das heißt, allein durch die Zeit sich verändert? Konkreter: würden nur noch 10 Millionen Barrel Öl existieren, wäre keine Erdölsubstitution betrieben worden, dann würde in dieser Welt der Kampf um das Öl über den Wert stattfinden. Es ist also nicht allein das Geldvolumen, das eine preisliche Veränderung bewirkt. Vielleicht kann man so sagen: in einem atomistischen, engpaßfreien, unmanipulierten Angebotsmarkt mit unveränderter Warennachfrage wird eine Ware nur durch das Geldvolumen preislich verändert. Eine solche Preisveränderung nennt man Inflationsrate oder Deflationsrate.
Schauen wir uns einmal einige Entwicklungen an:
Tendenziell hat sich das Geldmengenwachstum seit dem Jahre 2000 deutlich verringert ( rote Kurve ), liegt aber immerhin noch bei über 10 Prozent, wobei die Sonderabgaben, zum Beispiel die 500 Milliarden, nicht in den Statistiken erfasst werden ( für den Monat Juni steht in der Datei der Deutschen Bundesbank gerade einmal eine M3- Bestandsveränderung von +1.864.000.000 Euro, wo eigentlich ~ 500.000.000.000 stehen müsste ).
Das Geldmengenwachstum um den Zuwachs der Vermögensrate vermindert wäre demnach die reale Inflation.
Auf den Fehler der Medien und Politik, dass Inflation gleichgesetzt wird mit Teuerungsraten nach definiertem Warenkorb macht Professor Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barkleys Capital, aufmerksam. In der Süddeutschen Printausgabe Nr. 170, Seite 9, macht Polleit das Papiergeldsystem für die aktuelle Krise verantwortlich, weil die Europäische Zentralbank in unverantwortlicher Weise Geldvolumen auf den Markt wirft, welches seiner Überzeugung nach die Inflation anheizen wird. Im Zuge der derzeitigen angeblichen negativen Inflation ( Preissteigerungsraten ) versucht Polleit definitorische Klarheit in den Begriff „Inflation” zu bringen:
Preisentwicklung ist nach seiner Definition die Entwicklung eines Indexes auf einen definierten Warenkorb ( wie bekannt ).
Inflation ist nach seiner Definition die preisliche Entwicklung von Assets, also nicht Waren.
Insbesondere kritisiert Polleit, Zitat SZ: Geld werde durch Kredit quasi aus dem Nichts, ohne Deckung durch Ersparnisse, geschaffen. „Dies führt zu Fehlinvestitionen, die sich dann in Finanz- und Wirtschaftskrisen entladen.”
Seine Forderung gleicht der der Chinesen und Russen: Geld mit einer Leitwährung die an dauerhaften Werten ( Rohstoffen, Gold … ) gebunden ist! Zudem ist seine Idee, Zentralbanken aufzulösen und das Geldsystem dem Markt zu überlassen; Begründung: Manipulation durch die Politik mit unabsehbaren Folgen.
Dass Teile der Ideen von Polleit durch aus Realität werden könnten, ist vorstellbar. Eines hat der SZ- Artikel in jedem Falle beleuchtet: die Differenziertheit des Themas Inflation.
























