Globalisierung ohne Handelsfreiheit II.
In dem Artikel über die mittelständische Zuliefererindustrie wurde dargestellt, wie eng die Abhängigkeit dieses Industriezweiges von der Großindustrie ist. Man könnte sagen, bekommt die Großindustrie Schnupfen, widerfährt der mittelständischen Zuliefererindustrie eine Lungenentzündung.
Zur Systematik folgendes Bild:
Von den Großunternehmen bis hin zu den Kleinunternehmen, alles bildet eine Reihenfolge der Abhängigkeiten. Großunternehmen untereinander, Mittelständische Unternehmen untereinander, Kleinunternehmen / Handwerksbetriebe untereinander jeder hängt von jedem mehr oder weniger ab. Jeder braucht jeden in dieser Arbeitsteiligkeit; jedoch – das muss man ganz realistisch sehen – von unten nach oben! Ein
Großunternehmen kann sich aussuchen, mit welchem Mittelständischen Unternehmen dieses zusammenarbeitet. Und ist Deutschland nicht befriedigend, dann holt man sich die Arbeit auch aus dem Ausland! Ein Mittelständisches Unternehmen muss um Aufträge buhlen, gegen die gesamte Konkurrenz aller Mitwettbewerber und die kämpfen auch noch gegeneinander um den niedrigsten Preis/Lohn/Profit.
Der Zweimannbetrieb Friseur kann nur dann zufriedenstellend arbeiten, wenn es genügend Menschen gibt, die im Mittelständischen Unternehmen oder Großunternehmen tätig sind. Der fünfzig Mann Betrieb des Mittelstandes kann nur dann überleben, wenn er Aufträge aus der Großindustrie bekommt oder bei Erstellung einer eigenen Produktpalette die Bürger genügend Geld haben, den als sinnvoll erkannten Artikel zu kaufen.
Umgekehrt jedoch, das Großunternehmen kann sich Kapazitäten rund um die Welt hinzukaufen; es ist nicht angewiesen auf den kleinen Mittelständler im Odenwald oder im Sauerland. Diese Macht kennen Großunternehmen und nutzen sie schamlos aus: die jährlich stattfindenden Einkaufverhandlungen haben zum Ziel, dass eine jährliche Kostenreduktion der Zukaufteile von 3-6 Prozent erfolgt ( bei Chrysler waren es einmal sogar über 10 Prozent! ).
Zudem: vor Jahren war die Geheimformel in den Großunternehmen OUTSOURCING, das heißt, Arbeiten, die nach Außen gegeben werden konnten, werden nicht mehr in dem eigenen Großbetrieb gemacht, man nutzte die Konkurrenzsituation auf dem Wettbewerbsmarkt, damit man zum geringstmöglichsten Preis Teile einkauft. Strategische Stäbe in den Großunternehmen definierten, was Kernkompetenz ist, also Arbeitsgänge, die unbedingt im eigenen Hause zu fertigen waren. Alles andere wurde in der Welt eingekauft.
Parallel wurden die Betriebe der Großunternehmen laufen rationalisiert, das heißt, es wurden Arbeitsmethoden eingeführt, durch die die Kosten im Unternehmen Jahr für Jahr gesenkt wurden. Die oben genannte Rationalisierungsquote von 3 bis 6 Prozent pro Jahr wurde auch im Stammunternehmen Zielgröße. Konsequenz: Entlassungen.
Schauen Sie einmal, was aus 1000 Arbeitern bei einer jährlichen Rationalisierung von 5 Prozent wird:
Die dann stattfindende Kaskade kann man bei Kreutzer nachlesen: Effizienzsteigerungen in der Produktion führen zu Personalfreisetzungen ( Entlassungen ) oder gar zum Verdrängungswettbewerb ( Insolvenzen, Konkurse, Pleiten ) mit Massenentlassungen.
Man mache sich klar: “Mittelständische Unternehmen stellen 68,3% aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und erwirtschaften 41,2% aller wirtschaftlichen Umsätze”. Bei Betrachtung stellen diese Zahlen jedoch das Problem des Mittelstandes schon gut dar: der Umsatz je Mitarbeiter ist deutlich geringer im Mittelständischen Unternehmen als in der Großindustrie, weil sonst Mittelständische Unternehmen 68,3% aller wirtschaftlichen Umsätze erzielen müssten. Das wirkliche Geld machen Mittelständische Unternehmen nicht, dank der Globalisierung mit geringsten Zollschranken.
Und wissen Sie, was in dem obigen Bild fehlt?
Kunden, normale und einfache Bürger … die Geld haben. Und wann haben sie Geld? Wenn sie ausreichend in den Unternehmen entlohnt werden, in denen sie tätig sind. Und wann werden sie ausreichend entlohnt? Wenn die Weltwirtschaft “brummt”, wenn Bedarfe in der Welt nach Waren bestehen und Kunden vorhanden sind, für diese Bedarfe zu bezahlen.
Aber halt: gerade hat Amerika allem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jahrelang wurde in Amerika, in dem man überwiegend vom privaten Konsum den Wirtschaftsaufschwung zelebriert, durch Kredite der privaten Haushalte das große Weltrad in Schwung gehalten. Die Welt kaufte Kredite auf, damit die privaten Haushalte sich weiter verschulden konnten. Etliche Billionen sind in der Welt verstreut und verursachen nun Probleme.
Die Probleme verursachen vor allem eines: der Traum vom ewigen Gold ist ausgeträumt. Die Bürger Amerikas werden jäh auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt, desillusioniert. Man hat es nicht mehr so dicke in der Geldbörse. Alles ist knapper geworden und die Rentenzukunft ist mehr als unsicher. Und mit den Bürgern von Amerika auch die Bürger in den Zulieferstaaten China, Indien und so weiter. Warum? Weil der Arbeitsplatzabbau in den USA nach Mexiko und Asien dazu geführt hat, dass sehr viele Mitarbeiter, die zuvor hoch qualifiziert waren, nun als Packer oder Staplerfahrer usw. arbeiten müssen, natürlich mit entsprechenden Einkommensverlusten. Vor ein paar Monaten wollte eine Amerikanerin verdeutlichen, wie es mit der amerikanischen Wirtschaft ist. Sie kündigte medial hervorragend an, dass sie versuchen wollte 4 Wochen mit nur noch amerikanischen Waren auszukommen, nur diese amerikanischen Waren zu kaufen: es klappte nicht.
Die Einfuhr von Billigwaren ist grandios gesteuert: eine im Lohnniveau sinkende Bevölkerung sollte sich die Waren aus Billiglohnländern noch leisten können, somit wurde jede Menge Schrott und verseuchtes Zeug eingekauft aber die Bevölkerung wurde damit ruhig gestellt. Viel zu spät hat die Bevölkerung erfahren, dass sie in der Falle der Globalisierung hängen: Die Öffnung der Zollschanken, die Absenkung des Lohnniveaus, die relative Senkung der Renten, sogar Staatsdefizite, die niemals ausgeglichen werden können, all das und noch viel mehr gehört zum Thema “Globalisierung mit Öffnung der Zollschanken”, eine Bush-WTO-GATT-EU-CDU/SPD Strategie und ihre Hintermänner.
Wir alle müssen erkennen, dass das System von oben bis ganz unten WIRKT. Wer in seiner Situation Mißstände beklagt, muss wissen, gegen was oder wen er klagt. Wer durch diese Brutalpolitik in die private oder geschäftliche Insolvenz geraten ist, sollte wissen, dass es nicht allein zum Beispiel der Autohändler war, der hohe Zinsen verlangt! Oben werden die Zinsen eingespeist, sie laufen bis ganz unten durch, weil, wer will auf den Kosten sitzen bleiben? Lernen Sie alle die Ursachen verstehen! Nur wer die Ursachen versteht, kann sinnvolle Verbesserungsvorschläge machen!







[...] dem Artikel “Globalisierung ohne Handelsfreiheit II.” ging es um die Verzahnung der Industriebereiche Großindustrie – Mittelstand – Kleinindustrie – [...]