Hot News: "Deutschland muss sparen, ab 2011 gilt die Schuldenbremse. Doch im neuen Haushaltsentwurf finden sich Posten wie die Finanzssteuer. Luftbuchungen also", http://www.morgenpost.de/politik/article1337597/Deutscher-Haushalt-enthaelt-Luftbuchungen.html => der Zerfallsprozess erreicht die konservative Presse; diese ist nicht mehr bereit, Büttel für die konservative Regierung unter Merkel zu sein.

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Der Traum vom ewigen Fortschritt

“Am 2. Februar 2005 hat die Kommission einen Neubeginn für die Strategie von Lissabon vorgeschlagen … Die Ressourcen, um unseren hohen Lebensstandards zu wahren, sind vorhanden, wir müssen jedoch etwas tun, um sie freizusetzen. Europa wird mehr in seine Jugend, in Bildung, Forschung und Innovation investieren müssen, damit wir unserer Gesellschaft das Handwerkszeug und die richtige Einstellung vermitteln können, um Wohlstand und Sicherheit für jeden Bürger zu schaffen”, schreiben die EU- Philosophen in dem Papier “Gemeinsame Maßnahmen für Wachstum und Beschäftigung: Das Lissabon-Programm der Gemeinschaft” ( Achtung: neuester Acrobat reader erforderlich ).

“Unser Wohlstand und unsere Zukunft werden davon abhängen, ob Bildung in Deutschland einen ausreichend hohen Stellenwert hat”, tönt daher auch Frau Merkel. Wenn es aber in demselben Text heißt, der Städtetag warnte vor zusätzlichen Belastungen für die Kommunen, wird die ganze Problematik dieses ausgebrannten Staates deutlich:

  1. weniger Steuern und Abgaben => weniger Geld für öffentliche Aufgaben
  2. weniger Geld für öffentliche Aufgaben => weniger Geld für Bildung
  3. weniger Geld für Bildung => weniger Lehrer
  4. weniger Lehrer => größere Klassen
  5. größere Klassen => weniger Lernerfolg
  6. weniger Lernerfolg => geringere Wissensleistung, geringeres Wissenspotential
  7. geringere Wissensleistung, geringeres Wissenspotential => Rückschritt in der gesamten Leistungsfähigkeit.

Das ist die wirkliche Prozesskette, die man insbesondere in dem überschuldeten Berlin erleben kann. Strahlemann Wowereit kann gerade noch so seinen Bildungssenator durch Neustrukturierung des Senates über Wasser halten. Aber das soll hier nicht der Hauptaspekt sein.

Es soll hier einmal diskutiert werden, ob die Philosophie, das ist nicht ironisch gemeint, der EU und der Bundesregieung richtig ist, dass durch Bildung unsere Situation in der Welt rettbar ist. Ich möchte Ihnen einmal vorstellen, wie menschliche Systeme, also alles, was durch unsere geistigen Fähigkeiten geschaffen werden kann, sich verhalten:

Entwicklungsgeschwindigkeit und Kostenentwicklung in Entwicklungsphasen

Sie sehen an diesem Bild, dass ( bei richtigem Mitteleinsatz ) in der Ideenphase der Perfektionsgrad einer Idee noch recht gering ist. Oft wird mit wenigen Menschen eines Teams eine Idee kreiert, die über eine Machbarkeitsstudie oft abgesichert wird.

In der Entwicklungsphase, die bis zur nahezu Perfektion immerwährend andauert, wächst der Perfektionsgrad stark an; in gleichem Maße verhalten sich auch die Kosten, die aber gerade in der Anfangszeit langsamer anwachsen, als der Perfektionsgrad. Dann, wenn es an die Umsetzung der Ideen kommt, muss richtig viel Geld in die Hand genommen werden: die Kosten steigen rapide an, während der Zugewinn an Perfektionsgrad ständig abnimmt.

In der Optimierungsphase, dann, wenn sich bezüglich des Perfektionsgrades fast kaum noch eine Entwicklung abzeichnet, sind die Kosten nicht mehr vertretbar, eine Entwicklung wird oft eingestellt.

Es ist überflüssig zu sagen, dass die Kostenprogression auch bezahlbar sein muss: Produkte, Abgaben sind die Elemente, die die Kosten tragen – letztlich der Konsument, der Bürger. Es ist leicht einsichtig, dass die oben gezeigte Kostenprogression niemals die Lohn- oder Einkommensprogression sein kann, jedenfalls nicht für Normalsterbliche. Auch dieses ist ein limitierender Faktor der Entwicklung.

Was bedeutet diese Betrachtung?

Wir tun immer so, als würden wir im Perfektionsgrad niemals eine Begrenzung haben. Wir tun so, als würden wir in den Technologien noch in den Kinderschuhen stehen. Machen Sie mit sich doch einmal einen Test:
Welche Produkte wurden in den vergangenen Jahren als Innovationen auf dem Markt gebracht, die auch gleichzeitig Beschäftigungseffekte nach sich zogen?

Keine Innovationen!

Ich bezweifele, dass die EU- Strategie die richtige für eine hoch entwickelte Welt ist. Klar ist, dass wenn dieser Satz richtig ist, wir nicht mehr so viele arbeitende Menschen brauchen. Wenn Firmen einmal auf den Trichter gekommen sind, dass sie den Perfektionsgrad nicht unbedingt beliebig steigern müssen, weil damit kein Kostenoptimum erreicht wird, dann spätestens beginnt der große Abschwung.

Wir brauchen eine andere Position gegenüber dem Lebenswert. Die Zeit des höher-weiter-schneller-besser-mehr neigt sich der menschlichen Unvernunft zu. Wird es eine Zeit der “Neuen Zufriedenheit” geben?

“Der Traum vom ewigen Fortschritt”, hieß es; sind Träume nicht Schäume?

Dieser Beitrag wurde auch in der Zeitung "DIE BASIS" publiziert-

2 Reaktionen zu “Der Traum vom ewigen Fortschritt”

  1. Peterle

    Fortschritt heißt doch seit langem vor allem: Rationalisierung. Wo das nicht mehr geht, kann man dann nur noch versuchen, Kosten zu externalisieren.
    Haben Sie sich mal überlegt wo das mit der Rationalisierung und der Tendenz zu Werbung & geistigem Eigentum statt Arbeit & Kapital als Produktionsgrundlage marktwirtschaftlich im Extrem hinführt?
    Stellen Sie sich einen Planeten vor, dessen Bewohner sich von Musik-CDs ernähren. Am Anfang bekommt jeder einen Euro. Nach einer Runde hat Bewohner X die beste CD erstellt, alle kaufen die (was bei einer Ökonomie mit begrenztem Output/Variablen Kosten nicht möglich wäre) und essen ihr Exemplar auf. Jetzt hat Bewohner X alles Geld und das System ist gescheitert.

  2. bmadmin

    Peterle: “Fortschritt heißt doch seit langem vor allem: Rationalisierung. Wo das nicht mehr geht, kann man dann nur noch versuchen, Kosten zu externalisieren.” -> Autos kaufen keine Autos, eine alte Erkenntnis.

    Es ist aber eine spannende Frage die: wir leben in einer Zeit des langen Friedens. Nichts geht kaputt, es sei denn, durch den Zahn der Zeit. Wenn ich aber eine Nation, einen Kontinent, Milliarden Menschen darben lasse, die nichts investieren lasse, dann wird doch schlagartig ein Neubedarf entstehen, so dass wieder über ein paar Jahre “blühende Landschaften” entstehen. Das wäre eine neue Art Schweinezyklus.

    Peterle: ich bin da beharrlich; darf ich Sie einladen zu http://www.basis-d.de ?

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+++ der Sumpf hat Deutschland vollständig erreicht. Man kann gar nicht so viel schreiben ... +++

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