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Arztverdienste

Der STERN 34/2008, Seite 23 zeigt auf, dass beispielsweise

  • Allgemeinärzte 8.666 Euro brutto Monatseinkommen
  • Internisten 10.500 Euro brutto Monatseinkommen
  • Orthopäden 13.333 Euro brutto Monatseinkommen

erzielen. Voraussetzung: Einzelpraxis, nach Abzug aller Kosten aus Personal, Praxismiete, Geräte, Wasser, Strom, Kfz, Versicherungen, Beiträge, Gebühren etc. im Jahre 2003. Als Quelle wird das Statistische Bundesamt angegeben.

In der Süddeutschen vom 14./15. August 2008, Seite 16 findet sich ein Leserbrief von Dr. Tom Herschel, Herzogenaurach, in dem er den von dem Statistischen Bundesamt angegebenen Praxis- Durchschnittsverdienst von 117.000 Euro in Nettoverdienst umrechet:

minus 40.000 Euro Steuern

minus 19.000 Renten- und KK Beiträge

minus 25.000 Praxisfinanzierung.

Er kommt auf ein Nettoeinkommen von 33.000 Euro je Jahr oder 2750 Euro je Monat.

Sollte es stimmen, was Herschel in seinem Leserbrief angibt, dass Zinskosten der Praxisfinanzierung nicht absetzbar sind, was eine der Merkwürdigkeiten in der Steuergesetzgebung wäre, dann wird deutlich, warum die Ärzte um ihre Bezahlung bis aufs Messer streiten.

Die von Herschel genannte Arbeitszeit von 70 Stunden je Woche erscheint recht großzügig bemessen aber sicherlich mit Fallbearbeitung und Verwaltungsarbeiten außerhalb der Praxiszeit nachvollziehbar. Der von ihm berechnete Nettoverdienst von 9,82 Euro/Stunde zeigt, wie brutal unser System geworden ist: alle Ebenen, bis auf das TOP- Management und die Finanzwirtschaft, werden bis aufs Hemd ausgezogen.

Herschel sei aber auch gesagt: es ist beschämend, dass man solche Rechnungen offen legen muss, um seine Forderungsberechtigungen öffentlich zu rechtfertigen: wir sind in einer Bananenrepublik angelangt, in der das Gesamtsystem völlig aus dem Ruder läuft!

Dem STERN sei aber auch gesagt, mit derartigen Zahlen werden Neiddebatten losgetreten, die nur helfen, die einzelnen Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuwiegeln, um über Verschleiß durch soziale Konflikte alle möglichst klein zu halten. So funktioniert das System wirklich: unten wird endlos gespart, damit oben wird schamlos abgesahnt werden kann.

14 Reaktionen zu “Arztverdienste”

  1. Karl

    Es stand ja ein tendenziöser Bericht im Stern von einem Herrn Grill, nachdem die Ärzte in Deutschland im Durchschnitt alle 10.000Euro im Monat brutto haben – ist natürlich Quatsch. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß unser Verdienst bei 2.300 Euro nach Steuern bei einer eigenen Praxis als Nervenarzt lag. Dann kam noch das Ärzteversorgungswerk, wo wir ca. 500 Euro im Monat zahlen mußten (war der ermäßigte Satz!!) normalerweise 1000 Euro pro Monat und die private Krankenversicherung mit ebenfalls ca. 500 Euro pro Monat und noch 300 Euro Unterhalt für ein studierendes Kind.
    Alles das ist dem Staat und Finanzamt egal – nichts davon kann man wirklich absetzen – im Vergleich mit den Puffbesuchen von VW-Managern.
    Also kamen wir auf netto 900 Euro im Monat als Facharzt. Die Sprechstundenhilfe von uns bekam 1400 Euro netto!!!

    Jetzt arbeite ich in Holland. Deutschland ade!

  2. Lutz

    @ Karl.
    Sicher liegt hier (Gesundheitswesen und Gehaltverteilung innerhalb der Ärzteschaft) einiges im Argen. Das wird kaum jemand bestreiten und muss sich ändern. Aber ihre „Rechnung“ und Ihre Vergleiche sind nichts anderes als Populismus. Rechnen sie doch nochmal nach! Vielleicht kommen Sie gar noch unter den Hartz IV Satz? Bleiben sie bitte auf dem „Teppich“!
    Ärzte gehören auch heute noch zu den besserverdienenden in dieser Gesellschaft. Wo steht übrigens denn geschrieben das jeder Arzt seine eigene Praxis inklusive eigene Ausstattung und eigener Angestellten haben muss?
    Immer mehr Menschen in dieser Gesellschaft verschwinden im wirklichen Elend, sind überflüssig, haben keine Zukunft. Sind wirklich arm trotz Arbeitsplatz. Gerade im Osten werden Ärzte gesucht. Aber nicht wenige Ärzte gehen lieber dorthin Geld verdienen und Steuern zahlen wo es sich „lohnt“ für sie.
    Wenn Leute, die vorgeben, eine neue Partei gründen zu wollen, die eine Alternative zum heutigen widerwärtigen Politischen Parteien Einheitsbrei verkörpern wollen… solche Sichtweise haben, dann Gute Nacht!

  3. Dr. Manuela Peters

    @lutz
    “Wo steht übrigens denn geschrieben das jeder Arzt seine eigene Praxis inklusive eigene Ausstattung und eigener Angestellten haben muss?”

    Bis 2004 war es infolge der in Deutschland geltenden Rechtslage nicht möglich, als angestellter Arzt in einer niedergelassenen Praxis zu arbeiten. (Ausnahme: Absolventen der Assistenzzeit, Entlastungsvertretungen bei Krankheit oder Schwangerschaft)

    Wer als Arzt in Deutschland tätig sein wollte, hatte bis dato keine andere Möglichkeit, als eine eigene Praxis zu gründen oder sich als Selbstständiger in einer Praxisgemeinschaft oder Gemeinschaftspraxis einzukaufen.

    So wurde bis 2004 eine flächendeckende ambulante Versorgung durch niedergelassene Praxen „erzwungen“. Das haben viele Ärzte bemängelt und so nicht gewollt.
    Die Finanzierung dieser Praxen obliegt den Praxisinhabern, heißt für diese Schulden stehen die Ärzte gerade und nicht die Steuer- und Beitragszahler.

    Der Staat hat die Kosten für medizinische Innovationen und eine sich ständig modernisierende Medizin auf ca. 114.000 Ärzteschultern gelegt, die 90% der Behandlungsfälle preiswert und auf persönliches Risiko übernahmen.
    Das bürgerfreundliche Prinzip lautete: „ambulant vor stationär“. Damit wurden die Behandlungskosten niedrig gehalten und den Bürgern eine im Vergleich zu den Klinikkosten deutlich preiswertere wohnortnahe Versorgung gesichert.

    Das wird jetzt anders. Die subventionierten Klinikübernahmen (Steuer- und Beitragsgelder) und gesetzlichen Begünstigungen der MVZ`s = Medizinische Versorgungszentren (Steuer und Beitragsgelder) bewirken die Umorganisation des solidarischen Gesundheitswesens in eine renditeorientierte Gesundheitsindustrie. Zum Nachteil der Patienten und auch der Ärzte.

    Lieber Lutz,

    mir scheint, Sie sind ein Opfer der Staatspropaganda geworden, welche die wahren Absichten der Machthaber hinter populistischen Neiddiskussionen versteckt.

    Die „Professionalisierung“ des Arbeitsamtes und die Umfirmierung in die Agentur für Arbeit GmbH und der daraus resultierende Handel mit Arbeitslosen, die über private Arbeitsvermittler und eigens eingerichtete Zeitarbeitsfirmen die Bürger vermarkten und ausnehmen sind ein gutes Beispiel für das, was demnächst in Deutschland mit den Patienten passieren wird.

    Die medienwirksame Behauptung, die Beitragszahler finanzierten den Ärzten die teuren Geräte (doppelt, weil in den Kliniken doch alles vorhanden ist!) ist etwa so genial, wie die Behauptung die Bürger müssten so hohe Brotpreise zahlen, weil sie den Bäckern ihre Backstuben und Backöfen finanzieren. Große Backfabriken und zentrale Verkaufsstellen ermöglichen doch niedrige Preise und sind viel effizienter????

    Das Märchen von der doppelten Facharztschiene, von den Doppeltuntersuchungen/behandlungen etc. dient doch nur dem Ziel, den Ruin der niedergelassenen Ärzte zu rechtfertigen.
    http://www.durchblick-gesundheit.de/content/red.otx/1177,54643,0.html

    „Gerade im Osten werden Ärzte gesucht. Aber nicht wenige Ärzte gehen lieber dorthin Geld verdienen und Steuern zahlen wo es sich „lohnt“ für sie.“

    Was wollen Sie damit sagen, Lutz? Das sich Arbeit nicht lohnen muß? Daß die Ärzte maßlos sind?

    Würden Sie sich sehenden Auges hoch verschulden, wissend, dass Sie zwar gebraucht aber nicht ausreichend bezahlt werden und pleite gehen werden? Welche Bank finanziert Ihnen das? Sie glauben das nicht?

    Wer will es den Menschen verdenken, dass sie sich nicht als 1 €-Jobber ausbeuten lassen wollen? Das, was im Osten wirklich passiert ist nämlich nichts anderes! Mit dem Unterschied, dass die Ärzte ihren 1€ Job-Arbeitsplatz erst einmal selbst kaufen müssen oder zu Dumpingpreisen an der Klinik verheizt werden.

    Die Zukunft der flächendeckenden medizinischen Versorgung zu bezahlbaren Preisen ist den Strippenziehern völlig egal.

    „Ärzte gehören auch heute noch zu den besserverdienenden in dieser Gesellschaft“
    Diese Aussage ist so nicht richtig, wie Sie den Ausführungen von Karl entnehmen können.
    Was soll uns diese Aussage vermitteln? Ärzte jammern auf hohem Niveau während es anderen dreckig geht?
    Es gibt unverschämt reiche Ärzte und es gibt Ärzte, die tatsächlich für einen Hartz IV Satz arbeiten.

    Jenseits der Diskussion um das leidige Geld geht es tatsächlich um Menschenwürde, Respekt und Achtung aller Menschen ungeachtet ihrer Rasse, Herkunft, Religionszugehörigkeit, Beruf…etc

    Das derzeitige System ist undemokratisch, unfrei, unehrlich und ungerecht, marode, korrupt, intransparent, und öffnet Missbrauch, Lug und Betrug Tür und Tor.
    Es gibt ungerechtfertigte Bereicherung genauso wie unbezahlte Arbeit, Ausbeutung, Enteignung.

    Das derzeit politisch geplante System…..s. Beispiel Agentur für Arbeit GmbH

    „Immer mehr Menschen in dieser Gesellschaft verschwinden im wirklichen Elend, sind überflüssig, haben keine Zukunft“

    Das stimmt! Es gilt, das schleunigst zu ändern!

    Eine Diskussion um eine „Hierarchie des Elends“ ist dabei nicht hilfreich.

    Wem nützt das?

    Solche Diskussionen schaden der sachlichen Verständigung der Bürger (und genau das ist ja auch gewollt)
    Wenn Zwei sich streiten freut sich der Dritte.

    Kein Mensch ist überflüssig! Kein Mensch darf verelenden! Jeder Mensch hat ein Recht auf ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes und freies Leben.

    Jeder Mensch hat Verantwortung für sich, seine Mitmenschen, seine Umwelt und für eine lebenswerte Welt für die zukünftigen Generationen.

    Was glauben Sie, wie viele Sichtweisen es in der Bevölkerung gibt? Was ist Demokratie?

    Lassen Sie uns objektiv diskutieren.

    „Wenn Leute, die vorgeben, eine neue Partei gründen zu wollen, die eine Alternative zum heutigen widerwärtigen Politischen Parteien Einheitsbrei verkörpern wollen… solche Sichtweise haben, dann Gute Nacht!“

    In einer Basis-Demokratie entscheidet ein objektiv informiertes und am Diskussionsprozess beteiligtes Volk nach Abwägung aller Argumente.
    Populistische, auf eine Zielgruppe zugeschnittene Wahlversprechen, entlarven eine Partei gerade als nicht demokratisch!

    So wie ich es verstanden habe wollen die Leute, die eine basisdemokratische Partei gründen wollen, nicht ihre Sichtweise als Parteiprogramm auflegen, sondern das Ergebnis volksbestimmter Entscheidungen vertreten.

    In diesem Sinne sind alle Bürger zur konstruktiven Mitarbeit aufgerufen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Manuela Peters

  4. Lutz

    @ Dr. Manuela Peters

    Das es bis 2004 infolge der in Deutschland geltenden Rechtslage nicht möglich war, als angestellter Arzt in einer niedergelassenen Praxis zu arbeiten, wusste ich nicht. Wieder etwas hinzugelernt! Danke für die Aufklärung.
    Was mich aber veranlasste, diesen Kommentar auf die Ausführungen von Karl zu schreiben, war die regelrecht populistische wirkende Argumentation der Aufzählung von Ausgaben bis hin zu Unterhaltszahlung für das studierendes Kind. Im Kontrast zu seiner anscheinend sorglosen und besser bezahlten Sprechstundenhilfe!
    Das gilt erst recht, wenn bis 2004 oben aufgeführte Rechtslage für den Ärzteberuf bestand, also im Wissen um das „Risiko“ bei dieser Berufswahl einkalkuliert wurde. Dann sollte man zumindest nicht öffentlich solche klagenden Zeilen schreiben.
    Nein, sparen Sie sich folgende Antwort: …“reine Liebe zum Beruf, es muss ja jemand geben“… Das nehme ich Ihnen nicht ab.
    Das die Finanzierung dieser Praxen den Praxisinhabern obliegt, das die sich ständig modernisierende Medizin und Technik auf den Schultern dieser Ärzteschaft liegt, glaub ich nicht nur, sondern war und bin davon ja auch überzeugt. Ich habe ja mit keiner Silbe gegenteiliges angeführt!
    Wenn das jetzt anders wird (was ja eigentlich jeder, der mit halbwegs wachem Verstand sein Umfeld beobachtet, erkennen kann) dann zeigt es ja auf, dass wir (in Deutschland) uns immer mehr den sozialen kapitalistischen Rahmenbedingungen der meisten anderen Länder angleichen.

    Ich bin Ostdeutscher, ich bin ALG2 „Kunde“, ich bin (derzeit) 1 Eurojobber und da ich mich politisch doch recht intensiv informiere, schon auf dem Laufenden, was da so abgeht in Sachen „Professionalisierung“ der Arbeitsämter, in der Politik allgemein. Ich war und bin in keiner Partei, „denke“ aber Links und stehe zu der Analyse eines Marx über den Kapitalismus. Die meisten Mitglieder der Partei „Die Linke“ sind für mich keine Linken. Ich glaube aber auch nicht an einen „menschlichen“ oder „reformierbaren“ Kapitalismus. Auch nicht an Änderung heutiger Zustände durch „Basisdemokratie“.
    Um noch mal bei Marx zu bleiben: … der soziale Abstieg vieler in der sogenannten „Mittelschicht“ (z.B. ihr Ärzteberufsstand) bringen Bewegung und Unruhe ins System!

    Bei so manchem Beitrag der Autoren dieser Seite bleibt mir persönlich nur ein ohnmächtiges Kopfschütteln ob der Naivität.
    …“Das derzeit politisch „geplante“ System…“ ?!
    Es ist das real existierende System auf 90% dieses Erdenballs.
    …“In einer Basisdemokratie entscheidet ein objektiv informiertes und am Diskussionsprozess beteiligtes Volk“…
    Wirklich??? Wie lautet doch der markante realistische Spruch, oben auf dieser Seite:
    …“Wer das Öl kontrolliert, der kontrolliert das Land, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert das Volk, wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Denken, wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Welt.“
    Ihr Verein baut auf eine Mehrheit objektiv informierter Bevölkerung?
    Eine zur konstruktiven Mitarbeit aufgerufenen Bevölkerung?
    Worte fern jeder Realität!

    Mit freundlichen Grüßen
    Lutz

  5. Karl

    @ Lutz

    Sie begreifen einfach nichts – was ich geschrieben habe, ist keine Klage, sondern die Realität.
    Wenn Sie der Meinung sind, daß Ärzte 900 Euro im Monat netto haben sollen, dann na danke.
    Die Sprechstundenhilfe wird im Endeffekt ohne Arzt dastehen, d.h. entlassen werden und der Doktor ist z.B. in Holland, wo er als “Vaterlandsverräter” mal eben 5,5 mal soviel verdient.
    Aber wenn Sie der Meinung sind, daß Leute im Osten arbeiten sollten, weil dort Ärzte gebraucht werden und bedauern, daß diese Ärzte lieber dahin gehen, wo es sich für sie lohnt, also nicht in den Osten, dann haben sie zwar gemerkt, wie das funktioniert, es offenbar aber nicht kapiert.

  6. Lutz

    @ Karl
    Nun sollten Sie doch nicht gleich übers Ziel hinausschießen bei ihrer Antwort. Mit keiner Silbe wurde von mir behauptet, dass ein Arzt für 900 Euro arbeiten soll. Ich kritisierte nur Ihre Art sich selbst zum Sozialfall zu rechnen! In keinster Weise habe ich nur angedeutet, das jemand, der nach Holland geht, nun ein „Vaterlandsverräter sei „weil er mal eben 5,5-mal soviel verdient“.

    Ich kann Sie aber dahingehend beruhigen, das ich schon begreife wie dieses System „funktioniert“ und habe es auch „kapiert“. Ich war zu DDR Zeiten an politischen Zuständen und Politik interessiert und bin es heute noch viel mehr.
    Ich habe vielleicht(!) als Ostdeutscher auch den Vorteil, dass ich nicht in dieses System von heute hineingeboren wurde und es deshalb wohl etwas unvoreingenommener betrachte.
    Natürlich sind heute viel mehr Menschen unzufrieden mit diesem System als früher. Die Nachteile der Globalisierung des Kapitals zeigen nun eben auch Wirkung auf Schichten und Gruppen hierzulande, die vorher ein von sozialen Sorgen freieres Leben führen konnten.
    Und es ist nicht nur ein ungutes Gefühl in mir, sondern das Wissen, dass heute in diesem Lande oft die falschen Leute ganz laut Jammern und Wehklagen. Nämlich viel zu oft die Leute, die kein soziales Elend und Unrecht im System und Land beklagten, als es ihnen persönlich noch nicht an den „Kragen“ ging. Damit meine ich keinesfalls nun nur Vertreter der Ärzteschaft.
    Das alles sind meine persönlichen Ansichten, meine persönliche politische Überzeugung kennen sie auch, aber ich finde es nicht schön, wenn bei Diskussionen dann der Boden der Sachlichkeit verlassen wird, gar Unterstellungen aufgeführt werden, die nie im Raum standen.
    Denken sie mal darüber nach.

  7. Dr. Manuela Peters

    @ lutz

    „Das gilt erst recht, wenn bis 2004 oben aufgeführte Rechtslage für den Ärzteberuf bestand, also im Wissen um das „Risiko“ bei dieser Berufswahl einkalkuliert wurde. Dann sollte man zumindest nicht öffentlich solche klagenden Zeilen schreiben.“

    Welches Wissen haben Sie über das „Risiko“ bei dieser Berufswahl? Und was gilt dann erst Recht?
    Sollen die Klagen nicht öffentlich sein? Und warum nicht?

    Wie kommen Sie zu solchen Aussagen:
    „Nein, sparen Sie sich folgende Antwort: …“reine Liebe zum Beruf, es muss ja jemand geben“… Das nehme ich Ihnen nicht ab“

    Worum es Ihnen hier geht habe ich nicht verstanden. Was nehmen Sie mir nicht ab?

    …“Das derzeit politisch „geplante“ System…“ ?! ist das, was Sie so beschreiben: „dass wir (in Deutschland) uns immer mehr den sozialen kapitalistischen Rahmenbedingungen der meisten anderen Länder angleichen“. „Es ist das real existierende System auf 90% dieses Erdenballs.“

    So weit kann ich Ihnen folgen Lutz. Und nun?
    Was kann man tun?

    Die Realität als unveränderlich betrachten, ohnmächtig den Kopf schütteln?
    Worauf kann man bauen?

    Sie schreiben:
    Ich glaube aber auch nicht an einen „menschlichen“ oder „reformierbaren“ Kapitalismus. Auch nicht an Änderung heutiger Zustände durch „Basisdemokratie“…… und stehe zu der Analyse eines Marx über den Kapitalismus.

    Schön, das sei Ihnen unbenommen. Würden Sie es mir erklären? Was heißt das?

    Aktion oder Reaktion? Bottom up oder top down?

    @ karl es ist nicht so, dass lutz „nichts begreift oder kapiert“, wir haben Verständigungsprobleme und Wissenslücken!
    Jeder, Sie, ich und Lutz hatten „eine Gehirnwäsche“ und jeder hat ein „Feindbild“.
    Machen wir uns doch frei von Sklaverei durch Ideologien.
    Neu denken!

    Es kann doch möglich sein sich zu verständigen?
    Brauchen wir dazu Begriffe wie rechts, links und ein Farbspektrum?

    “Und es ist nicht nur ein ungutes Gefühl in mir, sondern das Wissen, dass heute in diesem Lande oft die falschen Leute ganz laut Jammern und Wehklagen. Nämlich viel zu oft die Leute, die kein soziales Elend und Unrecht im System und Land beklagten, als es ihnen persönlich noch nicht an den „Kragen“ ging. Damit meine ich keinesfalls nun nur Vertreter der Ärzteschaft.”

    Da kann ich Lutz nur zustimmen….gebe jedoch zu bedenken, daß viele Leute die nicht klagten, als es ihnen persönlich noch nicht an den Kragen ging (das dürfte wohl auf die meisten Menschen in der Welt zutreffen) still und ohne zu klagen soziales Elend und Unrecht mit ihrem persönlichen Einsatz und Vermögen zu stoppen und zu mildern versuchten. Damit meine ich auch keinesfalls nur Vertreter der Ärzteschaft.

    Doch was soll diese Diskussion? Mißtrauen und Vorwürfe..jeder gegen jeden….welche Saat geht da auf?

    Mit freundlichen Grüßen

    Manuela Peters

  8. Karl

    @Lutz et al
    Mich stört nur, daß Sie behaupten, daß ich mich zum Sozialfall herunterrechne. Das ist Quatsch – die Realität war so. Ich bin nur deshalb kein Sozialfall, weil ich flexibel reagiert habe und ins Ausland gegangen bin.

  9. Dr. Manuela Peters

    Folgender Beitrag wurde verspätet veröffentlicht, weil hier mehr als 3 Links enthalten sind. Die Gefahr, dass bei vielen Links SPAM dabei ist, ist sehr groß.

    Nein, es stimmt nicht, daß Zinskosten der Praxisfinanzierung nicht absetzbar sind.
    Hier liegt offenbar ein Mißverständnis vor.

    Tom Henschel schrieb in dem Sternblog: Die „Einnahmen vor Steuern“ eines niedergelassenen Arztes sind nämlich in keiner Weise mit dem Bruttolohn eines Arbeitnehmers vergleichbar.
    Von 117.000 Euro Jahreseinkommen, die das Statistische Bundesamt angibt, (Anm. für 2003, bevor der wirtschaftlich kalkulierte Punktwert von 5,11 cent nach der Gesundheitsreform 2004 bei 2,3 cent und darunter landete) müssen ca. 40.000 Euro Steuern und für Renten- sowie Krankenversicherung ca. 19.000 Euro bezahlt werden (bei Selbstständigen gibt es keinen Arbeitgeberanteil), bleiben 58.000 Euro. Die Tilgung der Praxisfinanzierung verschlingt mindestens 25.000 Euro und ist im Gegensatz zu den Zinsen nicht steuerlich absetzbar.
    Es bleiben also 33.000 Euro netto pro Jahr oder ca. 2.750 Euro pro Monat um die privaten Ausgaben der Familie für Lebensmittel, Miete, Strom/Wasser/Öl/Gas usw. zu bestreiten.
    s. http://www.stern.de/blog/index.php?op=ViewArticle&articleId=1774&blogId=42

    Interessant und später im Blog schreibt er: Die Gebührenordnung EBM2000+ (gültig ab 2005 für GKV-Patienten) war betriebswirtschaftlich kalkuliert. Basierend auf Zahlen von 1998 waren 5.11 Cent (= 10 Pfennige) pro Punkt berechnet, damit wir Ärzte einen Stundenlohn wie ein Facharzt in der Klinik erzielen. Mit Inflationsausgleich wären das heute ca. 6.2 Cent/Punkt.
    Im letzten Quartal wurde uns Urologen ein Punktwert von 2.7 Cent ausbezahlt = 56% Unterdeckung!

    Später……Die Frage ist, ob nicht ein grundsätzlicher Systemwechsel angebracht wäre?
    Unser deutsches „Sachleistungsprinzip“ stammt in den Grundzügen von 1883 (Bismarck) und ist weltweit gesehen absolut exotisch.
    Wir Ärzte streben ein sozial abgefedertes Kostenerstattungssystem auf Grundlage der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) an, wie es sich z.B. in Frankreich seit Jahrzehnten bewährt hat. D.h. transparente Rechnung an den Patienten, Kostenerstattung durch die Kassen (evtl. mit Selbstbehalt, in Frankreich z.Zt. 14 Euro), in Ausnahmefällen (Hartz IV-Empfänger z.B.) schickt der Arzt die Rechnung direkt an die Kasse.
    Frankreich kommt mit einem DRITTEL an Verwaltungspersonal im Vergleich zu den deutschen Krankenkassen aus. Patienten und Ärzte leben ohne rationierte Zuteilungsmedizin und die Kassenbeiträge sind nicht höher als bei uns…
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. med. Tom Henschel, Herzogenaurach

    Es lohnt sich tatsächlich den Blog zu lesen und festzustellen, wie miserabel die Recherchen des Sternreporters Gill sind. http://www.stern.de/blog/index.php?op=ViewArticle&articleId=1774&blogId=42
    Herr Gill liefert m.E. keine miserable Recherche, sondern reine Willfährigkeit gegenüber den Profiteuren aus Heuschreckenwirtschaft und Schattenspielern in der Politik.
    Die meisten Journalisten sind eben nicht frei!

    Wir kommt es bloß, dass das statistische Bundesamt Zahlen „aktuellste“ von 2003 liefert?
    Wie kommt es, dass die Zahlen der Auswanderer verschleiert werden?
    Interessant ist, dass die Bundesregierung ab 2004 nur noch die Abwanderung von Nicht-Akademikern zahlenmäßig benenn, Ärzte etc. fallen da auf einmal aus den Tabellen raus. Warum wohl?

    “Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land. An jedem Tag verliert Deutschland ein ganzes Dorf, womit die Zahl der Auswanderer Dimensionen erreicht wie seit 120 Jahren nicht mehr. Man muss kein Pessimist sein, um in der Massenflucht ein Misstrauensvotum gegen die Zukunftsfähigkeit des Landes zu erkennen.

    Was die Angelegenheit so heikel macht: Es sind die Besten und Jüngsten, die genug haben und gehen. Im Gegensatz zu den Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts verlassen nicht etwa Analphabeten, Bauern und verzweifelte Arbeiter das Land. Wir erleben keine Elendsflucht, sondern einen Exodus des gebildeten Mittelstands. Das Durchschnittsalter unserer Auswanderer beträgt 32 Jahre, es sind junge Ärzte und Ingenieure, Wissenschaftler und Facharbeiter, Handwerker, Techniker und ehrgeizige Dienstleister. Nach Angaben der OECD verliert derzeit kein anderer Staat so viele Akademiker.”

    http://www.cicero.de/259.php?kol_id=10532

    fiskalischer Polizeistaat in Zahlen
    Der deutsche Steuerstaat ist außer Kontrolle geraten. Wir haben das schlechteste Steuersystem und die aufgeblähteste Steuerbürokratie der Welt. Im internationalen Vergleich ist das dt. Steuerwesen durch eine bis zu über 20-fache Bürokratisierung gekennzeichnet.
    Gliederung:
    1) Schlechtestes Steuersystem der Welt
    2) Massenflucht der Akademiker
    3) Über 80% der Abgeordneten kommen aus dem öffentlichen Dienst
    4) Untaugliche Justiz
    5) ca. 20-fache Personaldichte der deutschen Finanzverwaltung wie in den USA
    http://forschungsschiff-pirol.org/fiskalischer-polizeistaat-in-zahlen/

    Liebe DD Leser, bleiben Sie objektiv. Lassen Sie sich weder von staatlichen noch privaten Medien verdummen. Bedenken Sie auch, woher das statistische Bundesamt seine Zahlen bezieht.

    Bedenken Sie, wer die Medienmacht auf der Staats- wie der Privatseite hält.
    Bedenken Sie, wer von dieser Desinformation profitiert und wer letztendlich auf der Strecke bleibt.

    Einen schönen Sonntag wünscht

    Manuela Peters

  10. Hurrikan

    Der Stern hat doch mit seinem Artikel das erreicht, was er erreichen wollte, sogar hier bei DD. Seit Jahren werden wir zugedröhnt, dass das Gesundheitssystem immer teurer und untragbar ist. Dann braucht man nur noch dem Michel zu gegebener Zeit ein Schild mit den amtlich festgestellten Ärzteverdiensten hochzuhalten und schon hat man die Verbrecher entlarvt. Nun sehen HIV-Empfänger, Rentner, Billiglöhner und Multijobber schwarz auf weiß, dass so ein Arzt im Monat mehr bekommt, als die benannten Personen das ganze Jahr. Man kann sich also sicher sein, dass etwa 1/3 der Bevölkerung, aus ihren Einkommen heraus, für die Kürzung der Bezüge von Ärzten sein werden. Folglich bekommen auch die Parteien, die dies fordern, wieder ein paar mehr Wähler. Mit dieser künstlich erzeugten Neiddebatte lenkt der Stern von den tatsächlichen Schmarotzern und den Ursachen ab.

    Es wäre ja verheerend, würde die prekäre Unterschicht erkennen, dass in Wahrheit ihr Einkommen zu gering ist, dass die Ärzte auch das verdienen, wie es der Stern schreibt. So einfach kann man den Einen gegen den Anderen aufbringen…., teile und herrsche! Fällt denn keinem auf, dass unser Lohn und Gehaltsgefüge schon lange nicht mehr stimmt und immer weiter aus den Fugen gerät? Auch hier ist unser Zins/Schuldsystem eine treibende Kraft.

  11. Lutz

    @ 7. Manuela Peters
    Ich möchte Ihnen gern noch kurz eine kurze Erläuterung geben zu den von Ihnen aufgeführten Fragen zu meinem vorrausgegangenen Beitrag.

    Wenn bis 2004 laut aufgeführter Rechtslage für Ärzte, die nicht als Angestellte unterkommen, nur Selbständigkeit mit eigener Praxis bleibt, ist es eben natürlich mit all den Risiken einer Selbstständigkeit, egal welcher Art, verbunden. Und das hat mit „Wissen zu dem Risiko dieser Berufswahl Arzt“ nichts zu tun.

    Die Aussage „reine Liebe zum Beruf, es muss ja jemand geben“…war im Kontext meiner Ausführungen gemeint. Ich habe damit nicht Sie persönlich ansprechen wollen. Sorry, wenn das so rübergekommen ist.
    Ich spiele dabei auf manche Beiträge und Kommentare in den Medien von Medizinern an, wenn es um Aufzählung von Missständen im Gesundheitswesen (die ich in keinster Weise bestreite) geht. Am Schluss kommt oft folgender Satz: „Sie (Ärzte) bleiben trotz aller Widrigkeiten und persönlicher (auch finanzieller Opfer) bei ihrem Beruf. Weil er nicht nur Beruf, sondern auch Berufung ist.“ Das ehrt diese Menschen ja ungemein. Aber ich nehme den allerwenigsten dieser Ärzte dieses Motiv ab.

    Was das bei uns „geplante System“ wie sie es nannten, betrifft, welches in 90 % der Welt zum Teil in brutalsten Auswüchsen längst Realität ist. Was man tun kann?
    Überglücklich wäre ich, hätte ich „DIE LÖSUNG“ anzubieten. Schaut man sich nur einmal die Geschichte in Europa seit dem 19.Jhd. an.
    Marx war der Meinung, dass das Großkapital weder freiwillig friedlich geht, noch das Kapitalismus je menschlich gestaltet werden kann. Luxemburg wollte Systemwandel über die „Köpfe“ erreichen, Lenin mit Revolution um anschließend die „Köpfe“ zu erreichen. Beides hat bisher nicht geklappt.

    Sind wir bei nochmal bei Marx. Ich schrieb:
    „Ich glaube aber auch nicht an einen „menschlichen“ oder „reformierbaren“ Kapitalismus. Auch nicht an Änderung heutiger Zustände durch „Basisdemokratie“…… und stehe zu der Analyse eines Marx über den Kapitalismus.“
    Ihre Frage: „Schön, das sei Ihnen unbenommen. Würden Sie es mir erklären? Was heißt das?“
    „Unbenommen“, meine Meinung mit meinen Worten: Marx hatte recht. Der Kapitalismus und das zwangsläufig ihm innewohnende Profitdenken lässt keine menschliche Welt für alle zu. Er ist als Gesellschaftsform nicht akzeptabel. (Über das (mit Recht) gescheiterte Experiment „real existierender Sozialismus“ will ich hier jetzt nicht eingehen).

    Und damit komme ich zu Ihrer Frage: „Aktion und Reaktion“
    Was Sie machen wollen (Ihre Basisdemokratie) ist für mich ein klares „Reagieren“. Reagieren auf Symptome einer faulen Gesellschaft, unfähig die Probleme von der Wurzel her anzugehen.
    Ich stellte Ihren (ehemaligen?) „Leitsatz“, oben auf der HP, nocheinmal in den Raum!
    …“Wer das Öl kontrolliert, der kontrolliert das Land, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert das Volk, wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Denken, wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Welt.“
    Die Zeilen stammen meines Wissens vom Ex US Außenminister Henry Kissinger? In den 70er Jahren war es S. Allende in Chile, der mit friedlichen und demokratischen Mitteln genau an diese Wurzel wollte. Den tragischen Verlauf dieser Geschichte kennen Sie sicher. Es war wieder ein Henry Kissinger, der Allende auslachte und sagte (sinngemäß) wie man nur so naiv sein kann zu glauben, das Politik und Wirtschaft der USA das zulassen werden.
    Aktion? Das wäre den Mut zu haben diesen Kapitalismus und sein uns alle ins verderbenbringende Profit und Wachstumsdenken grundlegend in Frage zu stellen. Derzeit unrealistisch umzusetzen, aber beginnen sollte man diese Idee anzusprechen. Das machen derzeit nur wenige innerhalb der Linken.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lutz

  12. Lutz

    @ Hurrikan
    Wie Sie hier schreiben ist die typische Argumentation eines Bildzeitung-Leser oder Konsumenten der „Hartz IV Hetze Sendungen“ bei diversen Fernsehsendungen. Man könnte darüber hinweglesen. Aber es sind Menschen wie Sie, mit Ihren Vorurteilen, die den Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik ihre unsoziale Politik erst ermöglichen. Hurrikan – Schauen Sie in den Spiegel, ich glaube dann sehen Sie ihn wirklich – den Michel.

    Ihre Worte zeigen wo Sie stehen wenn Sie von „Prekäre Unterschicht“ sprechen Wie einfach doch Ihre Welt ist!
    „HIV-Empfänger, Rentner, Billiglöhner und Multijobber“. Nicht doch noch jemand vergessen??? Millionen von dieser heutigen sogenannten Prekär-Unterschicht haben oft ein Leben lang gearbeitet. Nicht wenige von Ihnen haben oft eine Top-Ausbildung. Millionen von Ihnen sind in diese Lage gekommen, weil Sie einfach auf den Arbeitsmarkt „entsorgt“ wurden, dank der Politik der letzten Jahrzehnte. Global, in der EU und vor allem in Deutschland. Und es werden immer mehr!!!
    Es sind oft Menschen aus diesen Reihen, die beginnen Nachzudenken, weil die Not, in die Sie meist unfreiwillig gekommen sind, sie dazu „zwingt“. Und leider sind es wohl genau soviel oder gar mehr von den Menschen, die derzeit noch „Teilhaben am Kuchen“ der verteilt wird, die nicht Nachdenken und den Parolen der neoliberalen Politik aufsitzen.

    Ich habe über 30 Jahre Arbeitsleben hinter mir. War fast nie krank. Habe Qualifizierungen und Weiterbildungen erfolgreich angehängt, mehrere Berufsabschlüsse. Habe mich ein Leben lang für Politik interessiert, meine Meinung vertreten (oft nicht zu meinem Vorteil). Bis ich „entsorgt“ wurde und ohne den gewerkschaftlichen Schutz und Sozialplan von großen Konzernen oder ÖD, schnell in Hartz IV abgerutscht bin. Mit über 50 „überflüssig“.
    Was ein Mensch ist und wie er denkt, hängt nicht vom Verdienst/Einkommen ab. Aber es ist wohl war, das ein Mensch der in Not ist und hoffnungslos ist, anders reagiert als Menschen die aus einer (noch) sozialen Sicherheit heraus agieren können.

  13. bmadmin

    @ 5 Karl: “Sie begreifen einfach nichts” -> ich halte diese Formulierung für recht unglücklich, auch, wenn Sie verärgert sind. Damit können Sie niemanden überzeugen und ich denke, Sie wollen doch überzeugen. Wer auf ( ungewollte ) Provokationen reinfällt, der sollte sich fragen, warum dieses System des “Umerziehungslagers Deutschland” so prima funktioniert.

    @ 4 Lutz: Wir wollen doch wirklich realistisch sein
    - Ostdeutscher
    - ALG2 „Kunde“
    - 1 Eurojobber
    Chancen nach Null gehend. Da kann man sicherlich denken, frustriert zu sein, insbesondere, wenn Sie sich bemühen, Dinge zu sehen, wie sie sind. Von daher kann ich manche Ihrer Aussagen verstehen.

    Ich würde Ihnen gern ein weiteres Argument auf den Weg geben: nehmen wir an, Sie vergleichen einen Maschinenschlosser, der nach der Schule eine dreijährige Lehre gemacht hat ( ich war selber “nur” technischer Zeichner ) mit einem Monatsgehalt von 3000 Euro butto mit dem Arzt”gehalt”, dann ist der Vergleich leider etwas schief: meine ehemalige Partnerin hat 2 Jahre Abendgymnasium gemacht + 6 Jahre Studium + 3 Jahre Arzt im Parktikum ( AIP ) mit kaum Verdienst aber ca. 30 Stunden Arbeit am Stück; das sind 8 Jahre ohne Einkommen + 3 Jahre Minimaleinkommen. In 8 Jahren ( ohne Lohnsteigerungen ) verdient der Maschinenschlosser bereits ca. 290.000 Euro. Da hat der Arzt noch nichts, keinen Cent verdient und muss obendrein die Unterhaltskosten während des Studiums ( plus heute Studiengebühren ) zurückzahlen. Da kommt man locker mal auf 60.000 Euro. Also beträgt der Differenzbetrag des Maschinenschlossers zum Arzt schon mal ( aufgerundet gerechnet ) 350.000 Euro. Der Arzt, nehmen wir einen männlichen Arzt, der BW machen musste, ist dann mit etwa 27 bis 28 Jahren fertig und beginnt Geld zu verdienen. Ab 30 ca. kann er sich eine eigene Praxis aufbauen und hat eine Menge Schulden. Nähme man an, der Maschinenschlosser und der Arzt würden mit 65 aufhören zu arbeiten, dann hätte der Arzt eine Verdienst-Lebensarbeitszeit von 65-30=35 Jahren, der Schlosser, der mit 16 in die Lehre geht, 2 Jahre BW, 3 Jahre Lehre, hat eine Verdienst-Lebensarbeitszeit von 65-21=44 Jahren. Das sind dann 11 Jahre Einkommensvorsprung für den Maschinenschlosser. Würde man nur die Ausbildungszeit und nicht die 11 Jahre nehmen, dann müsste der Arzt bereits ca. 350.000/35/12=840 Euro je Monat mehr als der Schlosser verdienen ( unter Berücksichtigung der Steuerprogression läuft das auf wahrscheinlich 950 Euro zu ), um denselben Verdienst zu haben, wie der Maschinenschlosser.

    Dann wären wir bereits bei ca. 4.000 Euro brutto und der Arzt hat ab Lebensende keinen Cent mehr als der Maschinenschlosser!

    Wenn der Bericht im STERN ermittel, dass der Arzt auf ein Nettoeinkommen von 33.000 Euro je Jahr oder 2750 Euro je Monat kommt, dann müsste doch der Verstand sagen, dass hier etwas nicht stimmt oder ungerecht ist, oder?

    @10: “Es wäre ja verheerend, würde die prekäre Unterschicht erkennen, dass in Wahrheit ihr Einkommen zu gering ist, dass die Ärzte auch das verdienen, wie es der Stern schreibt. So einfach kann man den Einen gegen den Anderen aufbringen…., teile und herrsche!”, ja, Hurrikan, das ist eine sicherlich zutreffende Logik. Man sollte aber nicht den Fehler bei einem Einkommensvergleich machen, dass, wenn das Einkommen des Anderen deutlich größer ist zu sagen, es sei zu hoch, aber im gleichen Maße für das eigene Einkommen die Regel aufstellen, Einkommen müssten gerecht sein. Ja, wie derzeit auch in manchen veröffentlichten Berichten steht:

    diese Regierung hat das Präkariat willentlich und vielleicht auf Anweisung den Wölfen vorgesetzt! Wir sollten, Hurrikan, erkennen, dass nicht das Verdammen des Anderen die Lösung ist, wir müssen die Verruchtheit dieses Systems, geschaffen durch diese Politiker, erkennen und dann entsprechend zu Wahlen votieren!

    @4: “Auch nicht an Änderung heutiger Zustände durch „Basisdemokratie“”. -> woher wissen Sie das? Ich darf Ihnen sagen, dass einige etwas nervös werden. Ich habe derzeit oft Anrufe, die mich nach der inneren Funktion der Basisdemokratie befragen. Wir haben beschlossen, dass wir die erst nach Gründung veröffentlichen. Ich bin sicher, wir haben Demokratie neu erfunden, nicht diesen Unsinn von heute: Parteivorstand bestimmt alles – die Mitglieder sind zu einem Abnickverein degradiert, der für die theaterreifen Vorstellungen auch noch zahlen darf. Nein, ich veröffentliche gern hier weitere Informationen, soweit unsere Planungsgruppe das ermöglicht.

  14. Lutz

    @ bmadmin
    Ich will dieses Thema (Arztverdienste) nicht ungerechtfertigt ausdehnen, weil wir unsere Ansichten diesbezüglich ausgetauscht haben. Lassen Sie mich aber noch einen Gedanken zu Ihrem „schlichtenden“ Beitrag schreiben.
    Auch wenn Sie mich (zwar mit höflichen Worten) als denjenigen hinstellen, der (auf Grund seiner derzeitigen persönlichen Situation) die „Welt“ nicht richtig zu deuten weiß, ändert das nichts daran, das auch Sie falsch liegen könnten. Oder?

    Sie schreiben: …@10: “Es wäre ja verheerend, würde die prekäre Unterschicht erkennen, …., teile und herrsche!”, ja, Hurrikan, das ist eine sicherlich zutreffende Logik. …
    Die Strategie von „teile und herrsche“ durch die herrschenden Schichten ist nichts Neues. Jeder politisch interessiert und nachdenkende Mensch wird dieses Prinzip der Spaltung unter den Menschen erkennen. Für mich seit meiner Jugend ein fester Bestandteil meines politischen Denkens. Aber diese „Erkenntnis“ pauschal der prekären Unterschicht abzusprechen ist Arroganz. Nur weil ein Mensch in eine Situation gerät in der er dann als Unterschicht bezeichnet wird, verlernt er nicht das Denken! Es sind ebenso die Menschen aus den „nichtprekären“ Schichten die diese Logik von „teile und herrsche“ nicht erkennen. Hurrikans Zeilen sind ein Beispiel dafür!

    Es macht sicher kaum Sinn Gehälter von verschiedenen Berufsgruppen gegeneinander aufzurechnen. Aber Ihr Beispiel und Vergleich zwischen den Lebenseinkommen von Maschinenschlosser und Arzt ist sehr oberflächlich. Es fehlen zu viele wichtige Aspekte: Arbeit und Steuerzahlung eines AN in der Zeit wo ein anderer Studiert, körperlicher Verschleiß, Risiko für Arbeitslosigkeit, Möglichkeit dieses Einkommen auch mit zunehmenden Alter zu halten, Lebenserwartung…).

    Sie fragen mich „…Auch nicht an Änderung heutiger Zustände durch Basisdemokratie“…
    Unter Punkt @11 bin ich darauf eingegangen.
    Basisdemokratie bedarf u.a. einer entscheidenden Voraussetzung. Es war der Satz auf dieser HP:
    …“Wer das Öl kontrolliert, der kontrolliert das Land, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert das Volk, wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Denken, wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Welt.“
    Denken Sie über jedes Wort nach. (Ich hatte das Beispiel Kissinger, Chile/Allende angeführt.)
    Das kann Kapitalismus nicht erfüllen!!! Wie wollen sie diesen Widerspruch auflösen? Den Satz einfach nicht mehr auf der HP erscheinen lassen? Solch entscheidenden Fragen einfach ignorieren?
    Da mache ich mir schon so meine Gedanken, dass Sie auf entscheidende politische Kernfragen, keine Antwort geben können.

    Eben habe ich Ihren neuen Beitrag „Masterplan 2008: Basisdemokratie“ gelesen.
    Ich bin gespannt ob dieser Satz (…“Wer das … wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Denken, wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Welt.“), mit seinen wichtigen politischen Kernaussagen dort mit zur Diskussion kommt.

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