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Der soziale Abstieg der deutschen Mittelschicht

Der soziale Abstieg der deutschen Mittelschicht

Die Wirtschaft in Deutschland wächst – dennoch klafft die Schere von Arm und Reich immer weiter auseinander. In der Mittelschicht macht sich die Angst vor dem sozialen Abstieg breit. Gibt es in Deutschland bald nur noch „Die da oben“ und „Die da unten“?

… Für Butterwegge ist die Frage außerdem mehr als eine subjektive Wahrnehmung. Der Armutsforscher beobachtet eine wachsende gesellschaftliche Kluft. “Wir erleben einen Pater-Noster-Effekt: Die einen fahren nach unten, während die anderen gleichzeitig nach oben fahren.” Und zwischen diesen beiden Bewegungen würde die Mittelschicht zerrieben, Parallelgesellschaften entstünden…
Der soziale Abstieg der deutschen Mittelschicht | Unterwegs | Deutsche Welle

Nun schlägt der mit den Sozialreformen eingeleitete Systemwechsel voll auf die ehemalige Mittelschicht durch. Die neoliberale Spekulationswirtschaft beschleunigt diese Entwicklung in beängstigender Weise. Die spekulativen Finanzmärkte fordern eine immer höhere Geldschöpfung der Zentralbanken. (Die Geldmenge M3 ist im Mai-Jahresvergleich um 10,5 % gestiegen nach zuvor ebenfalls 10,5 % (revidiert von 10,6 %). Das Dreimonatsmittel des M3-Wachstums liegt bei 10,4 % nach zuletzt 10,7 %.) und der Leitzins der FED verharrt bei sehr billigen bei 2 Prozent.

Die dadurch ausgelöste Inflation

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wird sich der Verbraucherpreisindex in Deutschland im Juni 2008 – nach vorliegenden Ergebnissen aus sechs Bundesländern – gegenüber Juni 2007 voraussichtlich um 3,3% erhöhen (Mai 2008: + 3,0%). Dies ist der stärkste Preisanstieg seit Dezember 1993.
Im Vergleich zum Vormonat ergibt sich eine Veränderung von + 0,3%.

Die wahrgenommene Inflation klettert auf zwölf Prozent.

Die wahrgenommene Inflation klettert auf zwölf Prozent. Gerade Produkte des täglichen Lebens werden teurer. Hans Wolfgang Brachinger, Professor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Fribourg in der Schweiz über die gefühlte Teuerung, den aktuellen Preisschock und den richtigen Lohnzuwachs.
Professor Hans Wolfgang Brachinger im Interview: “Wir sind mittendrin” – WirtschaftsWoche

Erschwerend wirkt sich ebenfalls aus, das der Verhandlungsspielraum der Gewerkschaften durch die Arbeitsmarktreformen und den neu geschaffenen Niedrigstlohnbereich stark eingeschränkt wurde.

So stagnierte auch 2007 die statistische Mittelwert der Reallohnentwicklung hingegen die tatsächliche Reallohnentwicklung vieler Arbeitnehmer ein kräftiges Minus aufweisen wird Die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmer stiegen nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr in Deutschland um 2,3% und in Frankreich um 2,7%. Damit lagen die durchschnittlichen Tariferhöhungen in Deutschland das vierte Jahr in Folge unter denen in Frankreich. Die harmonisierten Verbraucherpreise erhöhten sich im Jahr 2007 in Deutschland um 2,3% und in Frankreich um 1,6%..

Im Fazit sehe ich ein scheitern der neoliberalen Reformen der neoliberalen Reformer.
Der hoch gepriesene Arbeitsplatzaufbau und der enorme Abbau der Arbeitslosigkeit hat aufgrund der Arbeitsplatzstruktur (1 Euro Jobs; Bürgerarbeit; Niedrigstlohnjobs mit steuerfinanzierten ALGII) keinerlei Auswirkung auf die Binnenkonjunktur. Personen und deren Familien, die durch die Arbeitsmarktreformen in Arbeit kamen, bleiben sehr oft mit ihren erzielbaren Einkommen an der Armutsrisikogrenze. Immer mehr Personen rutschen von der Mittelschicht in prekäre Arbeitsverhältnisse mit geringeren Einkommen oder in Arbeitslosigkeit ab.

Nur die sehr dünne Oberschicht profitiert von den Arbeitsmarktreformen (geringes Lohnniveau durch Leih und Zeitarbeit) und partizipiert am Aufschwung der vor allem von der Exportwirtschaft getragen wird.

Bauwirtschaft: 15,5% weniger Baufertigstellungen im Jahr 2007

Zu dem droht weiterer Arbeitsplatzabbau von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen.

So verursachen die falschen Reformen und die falsche Politik, eine immer schneller werdende soziale Abwärtsspirale ich behaupte, nur ein kompletter Politikwechsel, Mindestlöhne und eine rasche Entlastung der Verbraucher, können einen noch schnelleren sozialen Abstieg der Mittelschicht verhindern.

Kunden müssen mehr für Fahrzeugservice ausgeben

Mit der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher vor allem durch das “Hin und Her bei der Reform der Kfz- und CO2-Steuer” begründete auch der Geschäftsführer des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK), Ansgar Klein, in der “Bild”-Zeitung einen zu erwartenden Arbeitsplatzabbau in der Branche. “Bei vielen Kfz-Betrieben geht es an die Substanz, bis zu 40.000 Jobs sind zusätzlich bedroht”, sagte Klein.
Auto Service Praxis :: Kunden müssen mehr für Fahrzeugservice ausgeben

Arbeitsplatzabbau bei Siemens
“Es gibt elegantere Methoden als Kündigungen”
Wo wird Siemens die 15.000 Stellen abbauen? Nicht wenige in Deutschland, sagt ein Konzern-Betriebsrat – denn Löscher selbst habe darauf hingewiesen.
Arbeitsplatzabbau bei Siemens – ”Es gibt elegantere Methoden als Kündigungen” – Wirtschaft – sueddeutsche.de

10 Reaktionen zu “Der soziale Abstieg der deutschen Mittelschicht”

  1. bmadmin

    Sybilla “So verursachen die falschen Reformen und die falsche Politik, eine immer schneller werdende soziale Abwärtsspirale ich behaupte, nur ein kompletter Politikwechsel, Mindestlöhne und eine rasche Entlastung der Verbraucher, können einen noch schnelleren sozialen Abstieg der Mittelschicht verhindern.” -> wir sind gerade erst am Anfang einer dramatischen wirtschaftlichen Abwärtsentwicklung ( ich muss über den Vorwurf gegenüber Deutschen lachen, wenn behauptet wird, wir seien notorische Skeptiker/Pessimisten ). Wirklich, Deutschland allein KANN diese Politik nicht ändern. BItte schau dir mal die Agenda 21 an und lade dir das pdf http://www.un.org/depts/german/conf/agenda21/agenda_21.pdf runter. Wenn du das liest, dann weißt du, dass 178 Staatschefs, auch Kohl/CDU, genau dort das gemacht haben, was heute passiert:

    - die Verlagerungen in Billiglohnländer ( damit Wegfall der einfachen Arbeiten mit allen Nachfolgeproblemen )
    - der Mittelstandskampf durch weitgehenden Wegfall von Zollen ( noch nicht entsprechend Agenda 21 realisiert, weil GATT mit den Widerständen nicht zurecht kommt ), wenn das kommt – Gnade uns Gott!
    - Vorfahrt für Unternehmen ( nicht für Arbeit ).

    Diese verdammte CDU hat ursächlich die Politik vorbereitet, die in den Anfängen der Realisierung uns heute Probleme bereitet. Insofern haben wir es nicht mit einer kleinzelligen/kleinzeitlichen Abwärtsentwicklung ( Kondratieff ist durch die Agenda 21 auch überholt ) zutun, wir haben es mit den Auswirkungen des Umbaus der Weltwirtschaft zutun, dank Agenda 21 ( welch Zufall, dass Schröder seine Agenda “Agenda 2010″ nannte!

  2. Hurrikan

    Die NEUE WELT ORDNUNG wird die alte Weltordnung sein und dazu braucht man eine Mittelschicht am aller wenigsten! Die Politik hat es mehrmals angekündigt, dass man sich um die Mittelschicht kümmern möchte. Wie das aussehen wird, hat man an HIV gesehen. Arbeitslose AN “noch Mittelschicht” gehören seit 2005 zum gesellschaftlichen “Status Bodensatz”.

    So lange die Mittelschichtler ihren gerechten Schlaf träumen, werden sie in absehbarer Zeit in der Unterschicht aufwachen. Nur dann wurden sie eben bereits enteignet, was die Möglichkeiten einer Umkehr sehr begrenzt.

    @1
    Ich glaub jede der 5 verdammten Parteien hätte die Agenda 21 abgenickt. Bis auf wenige Ausnahmen dienen Politiker (die wir so kennen aus Bundestag und Landtag) ihren Herren und nicht dem Stimmvieh. Wie auch, sie dürfen die Kolonie (West und Mitteldeutschland) doch nur verwalten und nicht regieren.

  3. bmadmin

    Hurrikan: eine ernste Frage, haben Sie die Agenda 21 zumindest angelesen? Kannten Sie die vorher?

  4. David

    Buerger haben kein Vertrauen mehr in Demokratie

    Der Befragung zufolge fühlen sich nur noch 62 Prozent der Bürger gerecht behandelt, während jeder Vierte (26 Prozent) sich ausdrücklich beklagt und angibt “ungerecht” behandelt zu werden. Unter den demokratiefernen Schichten finden sich besonders viele Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. “Aus persönlichem Misserfolg wird Staatsferne”, urteilte Karl.http://de.news.yahoo.com/afp/20080628/tts-d-demokratie-studie-soziales-c1b2fc3.html

    ach ich wusst gar nicht das diese Versager(demokratiefern) die dieses Elend ,wirklich,zu verantworten haben auf Harz 4 sind!

    Hier wird eindeutig Oel ins Feuer gekippt!

    David

  5. David

    http://de.news.yahoo.com/afp/20080628/tts-d-demokratie-studie-soziales-c1b2fc3.html

  6. bmadmin

    David: Es sind immer die anderen Schuld. Das ist die langjährige Erkenntnis. Geben Sie mir Ihre französische Telefonnummer? Ich würde Sie gern anrufen. Danke ( bitte per Mail und nicht offen ).

  7. Hurrikan

    @bmadmin
    Ja ich hab schon angefangen zu lesen. Bisher kannte ich nur die Eckpunkte der Agenda21 von verschiedenen Inet-Seiten. Aber wie ich schon mal erwähnte, ist bestimmt der Ausgangspunkt die Lima-Deklaration von 1975. Die Agenda21 ist nur die Präzisierung und Fortschreibung. Oder liege ich da falsch?

    http://www.gwb.com.au/gwb/news/lima/index.html

  8. Codewort - Masterplan 2110 « DirkGrund - über Suboptimales

    [...] 45 Jahren hat, legt sich wie ein Damoklesschwert des Grauens über die Häupter der verängstigten Mittelschicht. So jemandem will man nicht noch mit modernen, lebensverlängernden Medikamenten ein bequemes [...]

  9. bmadmin

    @7: sehen Sie, das ist der Vorteil. Sie wissen was, ich weiß was, unser Nachbar weiß was und zusammen schaffen wir es, aus dem verworrenen Puzzle ein Bild zu formen. “Lima-Deklaration von 1975″ -> ich weiß noch nicht. Hoffe, ich werde etwas Zeit haben nachzuschauen. Sie können mir ja ein pdf schicken, wenn Sie es finden.

  10. Deutschland Debatte » Neoliberale Eisenbahner-Gewerkschaften im Verbund mit Mehdorn

    [...] DD schrieb im Juni 2008: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wird sich der Verbraucherpreisindex in Deutschland im Juni 2008 – nach vorliegenden Ergebnissen aus sechs Bundesländern – gegenüber Juni 2007 voraussichtlich um 3,3% erhöhen (Mai 2008: + 3,0%). Dies ist der stärkste Preisanstieg seit Dezember 1993. Im Vergleich zum Vormonat ergibt sich eine Veränderung von + 0,3%. Die wahrgenommene Inflation klettert auf zwölf Prozent. [...]

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