Konjunktur ade
Wir hatten uns gerade auf den Aufschwung gewöhnt: es war doch die schönste aller neokapitalistischen Welten
- Unternehmergewinne explodierten
- TOP Managergehälter wurden grenzenlos
- Exportweltmeister Deutschland ist bis Mitte 2008 nicht zu schlagen
und die kleinen Kollateralschäden
- Rentner fahren realiter wieder eine Minusrunde ein
- Kommunen unter Leitung von Schäuble bieten 2,5% den öffentlichen Bediensteten an ( in dem Regierungsfernsehen heißt es immer 5%, aber weil die Sendeminuten sparen wollen, vergessen sie den Zusatz, dass sich die 5% über einen Zeitraum von 2 Jahren erstrecken )
- die Preissteigerung bei Lebensmitteln raubt die geringfügigen Einkommenszuwächse, wer arm war, wird immer ärmer
- Arbeitgeber vermelden wieder, Lohnerhöhungen passen nicht in die Zeit: globaler Wettbewerb – Aufschwung wird zerstört – wenn alle …
- von Kinderarmut, Altersarmut redet niemand mehr, peinlich, es löst sich von selber, oder auch nicht
- das Gesundheitssystem wird unter Zuhilfenahme beliebiger Argumente fast unbezahlbar, demnächst wird es heißen “am frühen Tod erkennt man den Sozialstatus”
- Hartz IV Leute kommen mit den Preissteigerungen gar nicht mehr klar
diese Kollateralschäden neokapitalistischen Denkens und Handelns sind völlig egal: entscheidend ist, dass die Medienlandschaft gute und Hoffnung machende Informationen verbreitet:
- Der beste Sex meines Lebens
- Zum Welt-Frauentag zeigen wir, was die Damenwelt wirklich will
- Der jetzt in Genf vorgestellte „Bugatti Veyron Fbg par Hermès“ ist der jüngste Neuzugang im Klub der millionenschweren Luxusautos
- Claudia ist mein schönster Treffer
Irgendwas mit Realitätsbezug der normalen Welt? Nein, die Glitzerwelt muss herhalten! Müllhalten- Nachrichten mit Virtualitätsbezug, die uns einlullen sollen, die uns das Glücklichkeitsempfinden wiederholen sollen, während unten, in der Etage der Präkarier jeder sich mit Alk besäuft, weil er noch ein paar glückliche Minuten erleben will; später heißt es dann in den Bewertungen “charakterschwach”.
Aber die Politik feiert weiter Lügenmärchen:
Der Aufschwung ist unten angekommen
Wir haben wieder weniger Arbeitslose
Die Inflationsrate beträgt nur 2,8%.
Ein Lügenmärchen nach dem anderen! Und eine summierte gewollte Hilflosigkeit, die nichts anderes ist, als diesen neoliberalen Zug weiterfahren zu lassen! Notfalls auch ohne Präkarier.
Die wirklich bewegenden Prozesse laufen still im Hintergrund ab: “Vor dem Hintergrund der Diskrepanz zwischen den schwachen US-Daten und den recht robusten Fundamentaldaten aus der Eurozone sowie der Laissez-faire Haltung der EZB in Sachen Wechselkursen kann der Markt sich nun recht sicher fühlen, wenn er die Schmerzgrenze der Offiziellen nach oben austesten möchte, und wird dies unseres Erachtens in den kommenden Tage auch tun”, schreibt die ftd über den Devisenmarkt und meint mit diesem Sätzchen, dass Spekulanten bereits so reich geworden sind, dass sie Zentralbanken zum Kampf herausfordern. Hier spielt die Musik, die obigen Kollateralschäden sind nicht einmal Fußnoten in Finanznachrichten wert.




