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“Wir haben uns den heutigen Realitäten der Globalisierung zu stellen”

DD will hier den Versuch unternehmen, die bisherigen Diskussionsergebnisse zusammenzufassen. Die Globalisierung hat eine externe und eine interne Dimension. Zunächst werden die internationalen Verflechtungen des Neoliberalismus, die brutalen Globalisierung mit den logischen Prozessketten einer einmal begonnen völligen Freiheit des Kapitals aufgezeigt. Die dargestellten Schritte, wurden auf der Grundlage der Erfahrungen in Schwellenländern entwickelt:

globalisierung-international-v3.gif

Ausgangspunkt ist der EU- interne und internationale Standortekannibalismus mit dem Kampf um optimale Rahmenbedingungen für Industrieansiedlungen. Es wird nicht wundern, wenn der heutige Fokus Asien, der morgige Afrika sein wird: die Finanzanlagekarawane zieht weiter. Ergebnis dieser übergreifenden auf Basis der internationalen Vereinbarungen geltenden Prozesskette ist, dass letztlich Schwellenländer gegenüber den hightech- Ländern bei abgesenkten Zöllen ( Doha- Runde ) in einer schlimmen und desaströsen Methodik letztlich Gewinner sind. Das trügerische dieser Prozeßkette ist, dass wir, die hightech Länder, derzeit, nämlich in der ersten Phase, uns als Gewinner fühlen können, weil wir Technologie an Schwellenländer liefern, die hier Arbeitsplätze schafft.

Das macht die Politiker in Deutschland sicher, dass der Prozeß der Globalisierung medial verkaufbar ist und es werden große Anstrengungen übernommen, die Bevölkerung auf die Erfolge in der ersten Phase einzuschwören und zu suggerieren, dass Globalisierung wirklich erfolgreich ist und bleibt. Wie das absehbare Ende aussieht, das wird niemand der Politiker erklären! Niemand wird allen Ernstes behaupten können, dass in Planspielen die Prozeßkette nicht bereits durchdacht wurde.

Wir haben in dem vorigen Schaubild dargestellt, dass durch ausschnittweise Betrachtung nur einer Phase der Globalisierung mit einer seltenen Verführungskunst die Globalisierung akzeptabel für die Bevölkerung gemacht wurde, die uns in den nachfolgenden Phasen, um das bildhaft darzustellen, die eigenen Beine wegreißt.

Wir sehen, dass in der Endphase die Schwellenländer ihre Produkte zu konkurrenzlosen Preisen und akzeptabler Qualität auf den Märkten der hightech- Ländern angeboten werden können ( es ist übrigens derzeit überhaupt nicht untersucht, inwieweit das Kaufkriterium Qualität bei völlig abgesenkter Kaufkraft in den hightech Ländern noch eine so große Rolle spielt ).

Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass die Kostenniveaus der Schwellenländer sich schnell denen der hightech- Länder annähern werden! Die politischen Führer der Schwellenländer wissen, dass sie nur in einem Fall Gewinner der Globalisierung sind: wenn sie auf der Grundlage günstiger Kosten Waren zu marktakzeptierten Preisen exportieren. Sie werden also alles daransetzen, dass dieser Prozeß der Kostenannäherung in ihrer Volkswirtschaft so langsam wie möglich verläuft. Derjenige unter den Staaten, der am schnellsten die Kostenannäherung erreicht, wird für neue Investitionen weniger attraktiv werden!

Man gebe sich nicht der Illusion hin, dass nur (!) die Binnennachfrage einen selbsttragenden Aufschwung ergibt. An der Stelle einmal einen bildhaften Vergleich: Sagen wir einmal die Familie Müller sei eine Volkswirtschaft und die Familie Müller habe einen Nutzgarten. Wenn die Familie Müller intern Geld hin- und herschiebt, dann ändert sich am Finanz- oder Entwicklungsstatus der Familie Müller nichts, die Familie Müller lebt weder besser noch schlechter. Wenn die Familie Müller den Nutzgarten so betreibt, so dass die verbrauchten Nahrungsmittel zu einem großen Teil aus dem Garten kommen, dann muss die Familie weniger auf dem Wochenmarkt einkaufen; um im Bild zu bleiben, sie müßten weniger importieren. Jeder Einkauf auf dem Wochenmarkt bedeutet, dass die Familie Müller Geld ausgeben muß, Geld, das sie zuvor durch familienexterne Arbeitsleistung eingenommen haben. Je mehr sie einnehmen und je weniger sie intern verbrauchen, je mehr Geld können Sie ansparen, um sich neue Dinge zu kaufen. Dadurch, dass nur innerhalb der Familie Geld hin- und hergeschoben wird, weil beispielsweise die Tochter eine hausinterne Dienstleistung ( Binnennachfrage ) vollbringt, für die sie entlohnt wird, gelingt es nicht, dass die Familie ihren Lebensstandard erhöhen kann ( sicherlich aber ihren Sozialstandard ).

Im Juni 2007 hatten wir den internen Prozeß, die interne Dimension der Globalisierung, dargestellt, der voraussetzt, dass von den Schwellenländern in den hightech- Ländern Servicestrukturen aufgebaut wurden:

global-v3.gif

Das Ergebnis ist also, dass durch konkurrenzlos preisgünstige Warenangebote aufgrund bester Produktions- Standortebedingungen die insgesamt die gewachsenen Strukturen in den hightech Ländern zuerstört werden. Es gilt für die späteren Gedankengänge dieser Darlegung festzuhalten, dass – vereinfacht gesagt – durch die unterschiedlichen Lebenshaltungsniveaus der Grundstein für den Exporterfolg gelegt wird.

Wie die bisherige Globalsicht auf der Betriebsebene, in den Fabriken, sich niederschlägt, soll aufgezeigt werden, wie sie der Autor dieses Berichtes als Unternehmensleiter selber erlebt hat, auf DD dargestellt im Dezember 2007:deutschland-global.jpg

An dieser Stelle ist der Prozeß eine nicht aufhaltbare Schrittfolge, die zwangsläufig dazu führt, dass man zum Überleben auch das Letzte realisiert, bis nichts mehr geht.

Das ist die Realität der Globalisierung! Einmal diesen Weg beschritten: es führt zu einer kontinuierlichen Zersetzung der Volkswirtschaft und letztlich der Gesellschaft. Es steht in einem Folgeschritt zu befürchten, dass dieses Volk nicht mehr klaglos zusehen wird, dass ein ständiger sozialer Niedergang akzeptiert wird.

DD sagt voraus: erst wenn für die heutige Politik diese Matrixdemokratie in Gefahr ist, dann wird vielleicht ein geringer Umschwung des Denkens bei den Politikern und Unternehmensstrategen erkennbar werden. Hoffentlich werden uns nicht diktatorische Strukturen überholen: wenn aber jemand in Deutschland – aus welcher politischen Richtung auch immer – als charismatische Figur aufsteht, dann beginnen die wirklichen Probleme und dagegen kämpft DD, weil eine wirkliche Demokratie immer noch die erstrebenswerteste politische Lebensform ist!

In den vergangenen Abschnitten wurde aufgezeigt, mit welcher Methodik die Globalisierung unsere Volkswirtschaft ab Phase 4 zerstört. Es bleibt die Frage, ob Handlungsoptionen bestehen, wie die Globalisierung in der Welt in eine win-win Situation gebracht werden könnte. Im Juni 2007 nannten wir die mögliche Idee “Globalisierung flankieren“, Darstellung ab Punkt 3. Kernpunkt dieser Idee ist, dass nach dem Preishandel zwischen Käufer und Verkäufer einer grenzüberschreitenden Ware ( dieser Prozeß funktioniert auch EU- intern ! ) ein bestimmter Aufschlag von demjenigen on top zu zahlen ist, bei dem das höhere Lebenshaltungsniveau besteht. Dieser Aufschlag wird der Regierung des Landes mit dem niedrigeren Lebenshaltungsniveau als Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellt.

Der Gedankengang wurde hier nochmals im Unterpunkt “Protektionismus und Alternativen” dargestellt. Zusammenfassend ist zu sagen: durch Verteuerung importierter Waren im Land mit dem höheren Lebenshaltungsniveau hat die heimische Industrie eine bessere Chance zu überleben. Andererseits profitiert davon auch das Land mit dem geringeren Lebenshaltungsniveau, weil Leistungstransfer, der gebunden ist an marktwirtschaftlicher Gütererzeugung, einen Aufbau des jeweiligen Landes sicherstellt. Ob nun Lebenshaltungsniveau oder ein anderer Schlüsselfaktor die Bestimmungsgröße darstellt, das ist nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass

  • durch ein solches System eine automatische gleitende Anpassung ermöglicht wird; bei Handel zweier Länder mit gleichem Lebenshaltungsnivau ist keine Ausgleichzahlung mehr zu leisten
  • die hightech Länder sich nicht des Ausbeutungsvorwurfes aussetzen müssen und
  • bei kluger Detailgestaltung des Prozesses sich eine wirkliche win-win Situation ergibt, in der sich im Unterschied zu heute, keiner als Verlierer fühlen muss
  • in dem Land mit dem höheren Lebensstandard bleibt Kaufkraft in volkswirtschaftlich relevanter Breite vorhanden, die erforderlich ist, importierte Güter überhaupt sich anzuschaffen.

bmautor ist gespannt, ob Leser darauf reagieren.

3 Reaktionen zu ““Wir haben uns den heutigen Realitäten der Globalisierung zu stellen””

  1. bmadmin

    Ergänzender Kommentar zur Familie/Volkswirtschaft Müller:

    1. Nur auf einem sehr niedrigen Lebensstandard wird die Volkswirtschaft Müller keine Außentätigkeit ( Export/Import ) brauchen
    2. Zur Verbesserung des Lebensstandards braucht man den Export; im Gegenzug erhält man Geld für exportierte Waren. Die familieninterne Verteilung des Geldes muss so vorgenommen werden, dass niemand sich übervorteilt fühlt ( Verteilungsgerechtigkeit ), andererseits kann es zum internen Streit kommen
    3. Laufender Import wird die Volkswirtschaft Müller ruinieren; das Thema Handelsbilanz USA ist seit Jahren ein gravierendes und ungelöstes Problem
    4. Da in der Welt nicht nur die Volkswirtschaft Müller existiert, sondern auch die Volkswirtschaft Schmidt usw., und jede der Volkswirtschaften nach den Prinzipien denkt und handelt, ist es – ähnlich wie bei dem Energieerhaltungssatzes aus der Physik – denkbar, dass nicht jeder der Gewinner sein kann. Finanztheoretiker werden mir sicherlich widersprechen, weil Buchgeld tueoretisch in beliebiger Höhe verfügbar ist.

  2. Fürstenwerth

    Herr Müller,
    Ihre Darstellung der Globalisierung und deren Folgen scheint mir geprägt durch eine primär betriebswirtschaftliche Betrachtung, die darauf fokussiert, dass jeder im Wettbewerb mit jedem steht. Daraus resultiert der falsche Eindruck, dass es sich bei Wirtschaft um einen Verteilungskampf handelt. Damit wird das wesentliche Element des Wirtschaftens ausgeblendet: Mehrwert schaffen. Grundlage von Wirtschaften ist nicht der Wettbewerb um Verteilen von vorhandenen Gütern, sondern das Erschaffen von neuen Gütern mit einem Mehrwert. Diesen gilt es an alle Beteiligten gerecht zu verteilen. Das gilt auch für grenzüberschreitendes Wirtschaften.

    Die in Ihrer Beschreibung angeführte Familie verteilt nicht nur Geld, sondern erwirtschaftet es. Jedes Familienmitglied setzt seine Fähigkeiten ein, um aus Rohstoffen mit Kreativität und Fleiß höherwertige Güter zu erzeugen. Der hierbei geschaffene Mehrwert ist die Basis des wachsenden Wohlstands der Familie. Je mehr Familienmitglieder mit ihren Fähigkeiten in den Wertschöpfungsprozess einbezogen werden, desto größer der Gesamtzuwachs. Der Gesamtzuwachs kann durch Einbeziehung von Mitgliedern weiterer Familien (aus anderen Ländern) enorm gesteigert werden. Wettbewerb hat lediglich die Funktion, dafür zu sorgen, dass mit einem minimalen Aufwand ein Höchstmaß an Ergebnis erreicht wird.

    Das politische Kernproblem der Wirtschaft ist nach wie vor die gerechte Verteilung des Mehrwerts zwischen Kapitaleignern und Arbeitnehmern. Doch dieses Problem wird gerne mit der “Globalisierung” kaschiert und damit auf eine andere Ebene verlagert. Besonders eindeutig nachzuvollziehen in den Darstellungen des SPIEGEL Redakteur Gabor Steingart, der in seinem Buch “Weltkrieg um Wohlstand” die Globalisierung als Verteilungskampf beschreibt und sich nicht scheut, mit nationalistischem Pathos offen Fremdenangst zu schüren: “Die neue Stärke der Asiaten führt zur Schwächung des Westens. Ihr Aufstieg ist unser Abstieg.” Hier wird Fremdenangst instrumentalisiert um von der durchaus auf nationaler Ebene zu lösenden Verteilungsproblematik des Mehrwertes – nicht von Vorhandenem! – abzulenken.

    In meinem Buch “Geld arbeitet nicht” habe ich herausgearbeitet, wie das Prinzip des Umverteilens von Geld in der Finanzwirtschaft immer stärker auf die Realwirtschaft übertragen wird. Damit werden automatisch immer mehr Bürger als Arbeitslose aus der Beteiligung an der Wirtschaft ausgeschlossen. Dieses Prinzip gilt es zu überdenken, auch in Bezug auf die “Globalisierung”. Wenn der durch Arbeit und Kapitaleinsatz geschaffene Mehrwert adäquat verteilt wird, können auch wir Deutsche durch die Einbeziehung von Indern und Chinesen enorm gewinnen. Deutschland steht nicht in betriebswirtschaftlichem Wettbewerb mit Indien und China, sondern kann auf volkswirtschaftlicher Ebene gemeinsam mit den dort lebenden Menschen Wohlstand für alle Beteiligten generieren.

  3. bmadmin

    Herr Fürstenwerth,

    lassen Sie mich bitte vorab sagen, dass es immer sein kann, das wir durch unkorrekte Wortwahl oder –nutzung eine missverständliche Diskussion haben. Das sollten wir mit Gelassenheit ertragen und klären.

    „Ihre Darstellung der Globalisierung und deren Folgen scheint mir geprägt durch eine primär betriebswirtschaftliche Betrachtung, die darauf fokussiert, dass jeder im Wettbewerb mit jedem steht. Daraus resultiert der falsche Eindruck, dass es sich bei Wirtschaft um einen Verteilungskampf handelt“ -> In der freien Wirtschaft bei ( theoretisch unendlich vielen ) Anbietern steht jeder im Wettbewerb mit anderen um dieselbe Produktfamilie. Wenn die Firma Sheyang ein Kühlaggregat herstellt, das auch die Firma Schmittchen produziert und beide Geräte werden auf unserem Markt in Deutschland angeboten, dann dann stehen diese Firmen im Wettbewerb, das ist ja schließlich auch der Kernpunkt der wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft. Kernpunkt dieses Wettbewerbes ist, dass man gegeneinander antritt und um Arbeitsstunden, Material, Auslastung usw. kämpft, insofern handelt es sich um einen internationalen Verteilungskampf.

    „durch eine primär betriebswirtschaftliche Betrachtung“ -> Sicherlich habe ich eine besondere Prägung bezüglich des Betrachtungswinkels, nämlich den eines Unternehmensleiters. Dass es auch noch andere Blickwinkel geben kann, das will ich nicht abstreiten, im Gegenteil, ich hielte es für normal. Dadurch, dass mehrere Blickwinkel, so auch Ihrer, zusammengefügt werden, ergänzen sich einzelne Bildbestandteile zu einem kompletten Bild.

    „Damit wird das wesentliche Element des Wirtschaftens ausgeblendet: Mehrwert schaffen“ -> keineswegs! Die Frage ist doch, wenn ich aufgrund von Marketinganalysen einen bestimmten Zielpreis einzuhalten habe, wo/wie ich diesen Mehrwert, diese Wertschöpfung als Teil einer teilweise separierbaren Wertschöpfungskette einholen kann. Ich kann sie im Standort Deutschland mit Standortkosten Deutschland machen, ich kann sie auch irgendwo in der Welt machen. Prozesstreiber ist die betriebswirtschaftliche Produktkalkulation! Was meinen Sie, wie es kommt, dass seit Ende der 70er Jahre die massive Verringerung der Fertigungstiefe gepredigt wird? Was meinen Sie, wie es kommt, dass für die Konzentration der Hersteller auf Kernkompetenzen strategische Unternehmenseinheiten aufgebaut wurden, die make or buy entscheiden? Die Firmen alle sagen „Wertschöpfung selber schaffen, ja, aber nur, wenn es sich lohnt!“

    „, sondern das Erschaffen von neuen Gütern mit einem Mehrwert. Diesen gilt es an alle Beteiligten gerecht zu verteilen. Das gilt auch für grenzüberschreitendes Wirtschaften.“ -> nennen Sie mir doch bitte einmal neue Güter mit Beschäftigungswirksamkeit in volkswirtschaftlicher Dimension! Wo sind die Innovationen? Und was ist mit Handies gemacht? Genau das, was auch ich gemacht habe: automatische Bänder mit PK- Minimierung! Schauen Sie sich doch mal beim nächsten VW- Werksbesuch in Wolfsburg die Halle 54 an, immer noch sehenswert! Wo früher hunderte arbeiteten, sind heute nur noch Roboter + indirektes Personal ( Instandhaltung ); ich habe selber mal für den VW Vorstand eine Studie betrieben, ob man durch Einführung künstlicher Intelligenz die Produktivität erhöhen kann. Ergebnis: minimaler Personaleinsatz, maximale Investnutzung – das hat verdammt wenig mit Gerechtigkeit zutun. Da bleiben nichts als Controlerzahlen zur strategischen Entscheidung übrig. Wo wäre denn der, der Gerechtigkeit realisiert? Die Gewerkschaften, die fast ein Jahrzehnt erpresst wurden, wenn ihr nicht so macht, wie wir wollen, dann wandern wir unter Segnung des neoliberalen Schröder aus. Dann habt ihr tolle Lohnzuwächse aber keine Arbeitsplätze mehr! Wir sind, mit Verlaub, eine Rattengesellschaft geworden!

    Es ist wirklich ein guter Ansatz zu sagen, dass Verteilungsgerechtigkeit auch grenzüberschreitend sein muß. Jahnke und Sie müssten doch wissen, wie Weltbank oder WTO zu steuern sind: kaum oder gar nicht und schon gar nicht von Europäern ( Willfährigkeitseuropäer mal ausgenommen ). Hat ein Europäer da viel zu sagen? Glauben Sie an die Autonomie dieser Institutionen?

    „Jedes Familienmitglied setzt seine Fähigkeiten ein, um aus Rohstoffen mit Kreativität und Fleiß höherwertige Güter zu erzeugen. Der hierbei geschaffene Mehrwert ist die Basis des wachsenden Wohlstands der Familie“, Herr Fürstenwert, Sie betrachten nur die Erzeugerseite, die Kundenseite ist mindest genauso wichtig. Wenn Sie am Markt vorbei produzieren, entweder falsches Produkt, falscher Preis, falsches Marketing, …, dann produzieren Sie sich arm. Dann war’s das mit den Müllers. Insofern ist „Grundlage von Wirtschaften ist nicht der Wettbewerb um Verteilen von vorhandenen Gütern, sondern das Erschaffen von neuen Gütern mit einem Mehrwert“ nur eine hinreichende Bedingung!

    „Das politische Kernproblem der Wirtschaft ist nach wie vor die gerechte Verteilung des Mehrwerts zwischen Kapitaleignern und Arbeitnehmern. Doch dieses Problem wird gerne mit der “Globalisierung” kaschiert und damit auf eine andere Ebene verlagert“ -> Herr Fürstenberg, ich bin gewohnt, in Prozessketten zu denken und ich fange bei den Prozessketten immer am Anfang an, bei der Produktentwicklung und bei der Produktion, erst dann kommt die Frage der Verteilung. Jahnke schreibt so treffend auf Seite 47 von der axiomatischen Setzung bei der Globalisierung. Aus meiner Sicht ist das politische Kernproblem, dass Kapital, Investitionen, Waren völlig frei und von keinem kontrollierbar durch die Welt schwirren und eine Kettenreaktion auslösen, die keinen Stein auf dem anderen lässt. Um Gerechtigkeit geht es schon lange nicht mehr in diesem Wirtschaftsspiel. Ich habe noch in 2007 in einem Gespräch in Peking behauptet, der WK III findet mit Finanzen statt. Kein Widerspruch! Auch keine taktische Stillhalteposition!

    Wenn der SPIEGEL schreibt “Die neue Stärke der Asiaten führt zur Schwächung des Westens. Ihr Aufstieg ist unser Abstieg.”, dann ist das keine Fremdenfeindlichkeit, dann ist das nichts anderes als die Beschreibung des Kampfszenarios in der Endphase. Es entspricht aus meiner Sicht genau dem, was ich in meinem Artikel dargelegt habe.

    Wenn bei Ihnen immer wieder das Argument „Verteilungsproblematik des Mehrwertes“ kommt, dann fürchte ich fast ein verbales Missverständnis, aber das lässt sich ja klären.

    Zu Ihrem Buch kann ich mich nicht äußern, ich lese der Reihenfolge des Eingangs und derzeit ist Jahnke „Legende und Wahrheit“ dran.

    Mit freundlichen Grüßen

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+++ der Sumpf hat Deutschland vollständig erreicht. Man kann gar nicht so viel schreiben ... +++

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