"Warum, liebe Leser, sollten wir nicht die Anti-EU- Partei gründen. Sie sollte nur einen Zweck haben: raus aus der EU! Wenn ich mir diese vielen Leserbriefe in ihrer Tendenz ansehe, dann müsste das recht schnell und erfolgreich realisierbar sein." http://www.welt.de/wirtschaft/article6865777/EU-will-mehr-Kontrolle-ueber-Haushalte-der-Laender.html?page=10#article_readcomments

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Wirtschaft – Gesellschaft

Ein Unternehmen nach dem anderen vermittelt, dass Mitarbeiter entlassen werden. Champagnerkorken knallen dann an den Börsen! Entlassung meint Kostenreduktion, Kostenreduktion erzeugt höhere Gewinne, höhere Gewinne bedeuten höhere Ausschüttung … Also, je mehr entlassen werden, je freudiger das Ergebnis für Unternehmensteilhaber.

Besondere Seite, die fast täglich einen Update über Stellenstreichungen macht, siehe hier. Stand heute: fast 1 Mio. Stellenstreichungen/Jahr! In der Welt- Marktwirtschaft kann man nur bei seltenen Produkten davon ausgehen, dass ein konkurrenzloses Produkt angeboten wird. Bei allen jenen Produkten, bei denen ein potentieller Käufer Vergleichsmöglichkeiten hat, ist ein wesentliches Auswahlkriterium der Preis. Unternehmer nutzen die Möglichkeiten zur Kostenreduzierung. Als Anhaltspunkt kann man von einer jährlichen Kostenreduzierung von ca. 2-5% ausgehen. Geht man davon aus, dass ein Personalkostenanteil von 30% an einem Produkt besteht, müssen jährliche Personalkostensenkungen von 0,6% bis 1,5% realisiert werden. Tarifabsenkungen werden nicht umsetzbar sein, auch, wenn in den letzten Jahren die absoluten Löhne nicht nennenswert gestiegen waren. Somit bleiben Personalkostensenkungen nur über Stellenreduzierungen möglich. Bei ca. 40 Mio Arbeitsstellen ergibt sich eine jährliche Reduktion von ca. 400.000 Arbeitsstellen allein aufgrund der Rationalisierungen.

Die derzeit (!) besonders diskutierten Stellenstreichungen von

  • BMW 8.000
  • Kfz-Gewerbe ca. 20.000
  • Telekom will 60 000 Stellen ausgliedern – wieviele davon streichen?
  • 4000 Arbeitsplätze Alcatel-Lucent
  • 1800 von 5000 Arbeitsplätzen durch Autozulieferer Karmann
  • 800 bis 9000 der PIN AG

… es kullern die Tausender nur so durch die Presse. Jeder verlorene Arbeitsplatz ein Einzelschicksal einer Familie. Der Kapitalismus feiert, das Prekariat darbt, das ist die heutige Erkenntnis der von SPD und CDU so viel gelobten freien Marktwirtschaft.

Man sollte sich vergegenwärtigen: frei ist der, der sich aufgrund der Rahmenbedingungen die Freiheit erlauben kann. Wichtigste Rahmenbedingung ist: Einkommen – Haben – Vermögen. “Jeder zweite Deutsche lebt von der Hand in den Mund“, das ist die Wirklichkeit dieser bravourösen Wirtschaftsordnung. Immer mehr lebt in der Bevölkerung das Bewußtsein auf, dass nur der, der Geld genug hat, das Sagen hat. Der underdog ist bedeutungslos, eine Nummer, Humankapital oder betriebswirtschaftlich Produktionsfaktor, die Welt von Sinn und Rürup …

Bei bmautor wächst die Erkenntnis, dass diese Industrie das Volk nicht mehr braucht. Ein Exportweltmeister hat andere Kunden! Es entsteht auch die Frage an die Parteien: welche Gesellschaft wollt Ihr eigentlich übermorgen? Für was setzt Ihr Euch eigentlich ein?

  • Denkt Ihr Politiker eigentlich, dass immer alles zu reduzieren der Weisheit letzter Schluss ist? Glaubt Ihr eigentlich, dass die Bürger die ständigen Kürzungen nicht mitbekommen, zum Beispiel wenn in Remscheid Bürgerbüros geschlossen werden? Glaubt Ihr eigentlich, dass in den Familien nicht immer wieder von den durchgeknallten Beamtenleitern erzählt wird, wo Erpressungen die Regel werden?
  • Für wen, Politiker, macht Ihr eigentlich Politik? Für die Unternehmer oder für das Volk. Hört auf zu lügen und pastoral zu sülzen “für das Volk selbstverständlich”. Macht Ihr Euch eigentlich keine Gedanken darüber, dass das Ansehen im Volk immer mehr leidet, weil die Differenz zwischen Realität und Euren Reden meilenweit auseinander klaffen?
  • Merkt Ihr Politiker eigenlich nicht, dass die binnenwirtschaftliche Kaufzurückhaltung des privaten Sektors ein erstes Indiz dafür ist, dass diese Art Marktwirtschaft den Punkt überschritten hat, die beste aller Welten zu sein?
  • Wo, meine Damen und Herren Experten, bleibt die durchgängige und vollständige Systembetrachtung einer Marktwirtschaft, die auf der krankhaften Säule beruht, dass nur kreditierter Konsum die Wirtschaftsprosperität ergibt?
  • Macht Ihr Politiker Euch eigentlich keine Sorgen darüber, dass Ihr alle paar Wochen eine neue Sau durchs Dorf treibt, die dann als Rechtfertigung dient, dass wieder einmal Bürgerrechte eingeschränkt werden?
  • Wo, Ihr Damen und Herren von der LINKEN, ist Euer Parteiprogramm oder ist das Parteiprogramm “Aktionismus”?
  • Was, Gewerkschaftsprofiteure, meint Ihr eigentlich damit, wenn Ihr sagt “BMW 8000 Jobs weg – IG Metall findet Stellenabbau normal“, wenn Ihr fast lächelnd daneben steht, wenn ein 50 jähriger Mann, der bisher höchst motiviert für sein (!) Unternehmen gearbeitet hat, in die Arbeits- und sinnentleerte Hoffungslosigkeit, Lebensträume ade, getrieben wird? Ist das normal, wenn Ihr bei Zeitarbeitern urteilt, als wären das eine völlig freie Manipulierungsmasse Mensch?
  • Wollen Sie, Einheitsgewerkschaftsfunktionäre, nicht sich ein Beispiel an der GDL nehmen, die erkannt hat, dass Interessenvertretung nicht die Interessenwahrung des Unternehmers sondern der sie vertretenden Mitarbeiter zum Ziel hat; merken Sie eigentlich nicht, dass die Lobe der Unternehmer, Sie hätten “verantwortlich gehandelt” nichts anderes ist, als mitzuteilen, dass Sie die Sichtweise der Unternehmer übernommen haben? Glauben Sie eigentlich nicht, dass Sie, Einheitsgewerkschaftsfunktionäre, diejenigen verraten, die Sie vertreten sollten?
  • Ihr Pressefritzen, wenn Ihr schreibt, “Erreichen will BWM den Personalabbau sozialverträglich“, es geht doch nicht allein um die Entlassenen von heute, kriegt Ihr eigentlich mit, dass damit tausende Stellen für unsere morgigen Kinder vom Markt verschwinden? Welche Zukunft wollt Ihr den Kindern unserer Gesellschaft bieten?

Man könnte Angst haben vor dieser Art Demokratie! Man bekommt immer mehr Angst vor dieser Wirtschaftsordnung. Frau von der Ley(d)en: was meinen Sie, ob eine Familie bei dieser wirtschaftlichen Zukunft bei Übergang in Niedriglohnbereiche oder Multijobs oder Arbeitsplatzunsicherheit Neigung hat, Kinder zu zeugen?

Eine Reaktion zu “Wirtschaft – Gesellschaft”

  1. zdago

    der Aufschwung rast zu neuen Höhenflügen. Ich kenne da auch noch einen Konzern, dessen Shareholder zum Jahresende noch einen Aufschwung haben, ich weiß auch, wen es da nächstes Jahr trifft und wer spätestens 2010 dran ist, aufzuschwingen. Und diese sind bei kreutzer noch nicht enthalten. Es dürfte sich noch einmal um eine drei- bis vierstellige Zahl handeln.

    @Bei bmautor wächst die Erkenntnis, dass diese Industrie das Volk nicht mehr braucht.
    Das ist so fast, aber nicht ganz richtig. Von der Spitze geht die Kalkulation auf rund 1 mrd Sklaven aller Stufen zu ihrer Rundum-Versorgung, der Rest ist überflüssig und sollte sich am besten sozialverträglich selbst entsorgen. Und daran wird gearbeitet.Die deutsche Verwaltung – und das schließt Politiker, das sogenannte Spitzenmanagement und ihre Handlanger in der Justiz mit ein – erfüllt nur ihre zugeteilte Aufgabe. Ihr Mißverständnis besteht darin, daß sie annehmen, daß die Bevölkerung irgendetwas mit den Auftraggebern zu tun hat.
    Und was ihre Frage an Frau von der Leyen angeht: ssetzen sie in ihr Wertesystem einmal die Prämisse ein, daß eine Vermehrung des deutschen Volkes von der Verwaltungsspitze nicht gewünscht ist. Sie werden sehen, daß damit einige Entwicklung in der Politik, die sie für bednklich halten, plötzlich Sinn ergeben. Allerdings wird man ihnen das nie bestätigen – dazu müßten sie z.B. beim Bilderberger-Befehlsempfang einmal Mäuschen spielen können.
    Solange Gewohnheitslügner und Betrüger nicht schon beim Aussprechen einer Lüge tot umfallen, wird sich daran auch nichts ändern. Würde dies Situation einmal eintreten, währe die ganze politische Kaste innerhalb von zwei Stunden ausgerottet.
    mfg zdago

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