Vollbeschäftigung bei IT- Leuten
Wieder dieselbe Laier: “In der Berufsgruppe der Datenverarbeitungsfachleute herrsche Vollbeschäftigung”, schreibt der ZDF- Ticker. Wie sieht die Wahrheit aus?
bmautor hat nach Beklagen eines Fachkräfte- Fehlstandes bei IT- Leuten folgenden Brief geschrieben:
“Sehr geehrter Herr Dr. Wansleben,
Mit großem Interesse habe ich im SPIEGEL Ihren Satz “Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. 23 Milliarden Euro Wertschöpfungsverzicht bedeuten in diesem Jahr rein rechnerisch einen Wachstumsverlust von einem Prozentpunkt” gelesen.
Haben Sie einen Hinweis, an wen sich ein DV- Spezialist, der derzeit bei ***** Programme schreibt, Systemadministrator ist und ab Februar 2008 eine neue Aufgabe sucht, um nicht in die Arbeitslosigkeit abzurutschen, wenden kann? Der Herr ist im Raum ****** beheimatet und ist so flexibel zur Arbeitsaufnahme auch an einem beliebigen anderen Ort in Deutschland tätig zu werden.
Ich wäre Ihnen für eine Hilfestellung sehr verbunden.
Mit freundlichen Grüßen und Dank für eine kurze Antwort oder Kontaktübermittlung
B. Müller”
___________________________________________________________________________
weitere Aktivität:
BITKOM e.V.
E-Mail: bitkom@bitkom.org
Hauptgeschäftsstelle Berlin
Albrechtstraße 10
10117 Berlin
Postfach 640144
10047 Berlin
Telefon: 0 30 / 2 75 76-0
Telefax: 0 30 / 2 75 76-400
Sehr geehrter Herr Scheer,
mit großem Interesse und auch mit Verwunderung habe ich Ihre Stellungnahme gelesen, dass Sie mitteilten, dass in Deutschland derzeit 43.000 Stellen für IT-Experten offen sind. Ich bin Betreiber einer Internetseite, die sich mit dem Thema Globalisierung und Konsequenzen der Globalisierung auf Europa beschäftigt.
Vor ein paar Wochen hat sich ein IT- Fachmann bei uns gemeldet und mitgeteilt, er habe bisher 50 Bewerbungen geschrieben und keine der Bewerbungen sei erfolgreich gewesen. Darüber hatten wir berichtet und die Frage gestellt, ob – als eine der Möglichkeiten – es eine Verbandspolitik ist, dass über den Fachkräftemangel gesprochen wird.
Lassen Sie uns doch den Test machen und sehen, ob Sie mit Ihren Kontakten eine IT- Stelle für diesen Herrn besorgen können. Das wäre doch eine sehr gute Botschaft, die mehr als nur der Bericht einer Studie ist.
Bitte melden Sie sich, wenn Sie eine Möglichkeit sehen.
Mfg
Bernd Müller
www.deutschland-debatte.de





“Insbesondere Ingenieure und Fachleute aus sonstigen technischen Berufen werden oft vergeblich gesucht. ”
Mein Gott, 5 Jahre hab ich als Ingenieur der Elektrotechnik (10 Jahre Berufserfahrung, Gute Noten) gesucht und über 500 Bewerbung und Absagen erhalten. Na klar, hätte ich einen Job gefunden, jedoch als unbezahlter Praktikant, Zeitarbeitshure oder 20T Euro netto Job (weniger als die Leute, die man führen soll) hat man doch kein Interesse. Was macht man also, man macht sich selbständig und schlägt sich durch. Pfui, Deutschland!
Hmm, man sollte in diesem Zusammenhang auch besondere Regelungen für das Erlangen einer Arbeitserlaubnis für ausländische (=sehr preiswerte, geschickte und hochmotivierte) Arbeitskräfte sehen. Dazu muss man vielerorts erstmal ein paar Monate vergebens nach einer Kraft suchen. Also am besten nach einem Doktor der Informatik suchen, der auch 3-4 Fremdsprachen beherrscht, höchstens 20 ist, aber auch 10 Jahre Berufserfahrung als Teamleiter hat und ausserdem einen LKW- und Gabelstapler-Führerschein besitzt. Und nach ein paar Monaten kann man dann seinen Wunschkandidaten aus O-Europa einstellen…
Ausserdem sollte man beachten, dass die Rekrutierung der Besten die Hauptzutat des langfristigen Erfolgs ist. Also selbst wenn kein besonderer Kräftenotstand da ist, kann man sich fortlaufend Leute einladen, kann ja immermal ein Überflieger dabei sein.
@Heiner: “Na klar, hätte ich einen Job gefunden, jedoch als unbezahlter Praktikant”, ja, Heiner, das genau ist das Thema und die verdammte Verlogenheit in diesem tollen Selbstbetrugssystem. Ich kann voll Ihr Gefühl “Zeitarbeitshure” verstehen. Man fühlt sich entehrt, das ist aber scheinbar ein Begriff, den nur noch die “Unterschicht” versteht! Ethisch-moralische Wertbegriffe finden in nur höheren Kreisen nur noch über Parteiprogramme statt. Und selbst dort wird gelogen, dass sich die Balken biegen! Schlicht Betrug! Von Anfang bis Ende.
@Peterle: “Erlangen einer Arbeitserlaubnis für ausländische” haben wir in unserem Staat nicht eine besondere Pflicht, für Bürger dieses Staates zu sorgen? Ich bin wahrlich kein Rechtsradikaler, aber der Staat darf sich nicht so weit von seinen Bürgern entfernen, dass diese ihm gleichgültig werden!
“Also am besten nach einem Doktor der Informatik suchen, der auch 3-4 Fremdsprachen beherrscht, höchstens 20 ist, aber auch 10 Jahre Berufserfahrung als Teamleiter hat und ausserdem einen LKW- und Gabelstapler-Führerschein besitzt.”, ja, Peterle, das ist genau das Problem: die Kostnixeierlegendewollmilchsau, das Wunschprofil unserer heutigen Wirtschaft. Wenn aus der Politik gemäkelt wird, dass die Manager für die arbeitende Bevökerung bezüglich ihrer Einkommen ein Vorbild sein sollte, dann muss man sagen, dass das diese Ansprache die total falsche Diskussionsecke ist. Moral fängt nicht bei Gleichmacherei an!
“Ausserdem sollte man beachten, dass die Rekrutierung der Besten die Hauptzutat des langfristigen Erfolgs ist.” ach, da sprechen Sie etwas an, worüber meine Frau ganze Stories erzählen könnte, zum Beispiel über die Anforderungsreduzierungen, über die stets deutlich verschlechterten Leistungen der vorgelagerten Schulen. Und wir können gottseidank über ein paar Jahrzehnte Erfahrungsvergleich blicken, und müssen miterleben, wie das Niveau wie von Geisterhand laufend sich reduziert. Aber statt dessen werden von idiotischen Politikern die Forderungen nach Erhöhung von Hochschulabgängerquoten gesprochen, koste es, was es wolle, und sei es die Qualität der Hochschulabgänger.
Beklagen eines Fachkräfte- Fehlstandes bei IT- Leuten folgenden
In der Regel sage ich dazu nur : Unnsinn – aber eigentlich ist es falsch. Die Sache hat durchaus einen realen Hintergrund: über die auf damit begründeten Green- und Blue- und sonstwie-Farbencard werden gleich zwei Fliegen mit einer klappe gesxhlagen. Zum einen wird Druck auf das noch vorhandene inländische Humankapital ausgeübt, höhere Zinsen zu zahlen (sprich: länger arbeiten für weniger Lohn), zum anderen kann man sich die Aufwendung für Ausbildung und längerfristige Personalplanung sparen und Leute anstellen, die auf indische- oder sonstwo Kosten fertig ausgebildet wurden. Dabei entsteht zwar ein kleines Problem, daß die Produktionsqualität darunter leidet, aber da alle Anbieter gleichermaßen schlampig arbeiten heutzutage, trägt auch hier wieder das humankapital – hier in Form des Kunden – die Kosten. Der Finanzinvestor, der daraus eine Gewinnspanne von 15 und mehr Prozenten aus der Firma zieht – solange sie noch existiert – hat davon keinen Schaden, er wird nicht einmal erwähnt. Oder haben sie beispielsweise gehört, daß bei den Airbus-Qualitätsleistungen bei A380 u.a. die Finanziers beim namen genannt wurden? ich jedenfalls nicht. Und in keiner Zeitung war zu lesen, Hände weg von dieser Bank, die stellt Gold in Rechnung, daß sie gar nicht gekauft oder beliebig andere Hintergrundpersonen.
Das ganze nennt sich einfach Gewinnmaximierung – oder BWL ohne Grenzen. Normalerweise sollte die BWl ja durch die VWL ihren Funktionsrahmen erhalten, um gut zu funktionieren, aber grenzenlos ist sie halt ein Herrschaftssystem, daß aus der Sicht der Herrschers jedes Schwert-Diktatur weit übertrifft.
Solche Meldungen – wie oben genannt – sind reine Propaganda. Keine Firma hat es nötig, bei dem Überangebot lange zu suchen, wenn sie willens ist, jemanden einzustellen.
mfg zdago
@zdago: “Oder haben sie beispielsweise gehört, daß bei den Airbus-Qualitätsleistungen bei A380 u.a. die Finanziers beim namen genannt wurden”, nein, im Gegenteil, weil es bedeuten würde, dass das Qualitätsmanagement der Zulieferantenprozeßkette ( siehe DIN ISO TS ) nicht funktionieren würde; das wiederum würde bei Kunden katastrophale Folgen haben, das Vertrauen zum Produkt Flugzeug wäre weg.
Statt dessen hieß es bei den letzten großen Problemen, es seien angeblich interne Kommunikationsschwierigkeiten.
@bmadmin: Was erwarten Sie denn von einer Standardausbildung? Also ich würde sagen: Lesen, Schreiben, Rechnen. Vielleicht noch ein gewisses handwerkliches Geschick bzw. das die Leute wissen, was Ihnen liegt und in dem Bereich eine gewisse Vorbildung/Talent/Motivation haben. Rest dürfte bei den meisten Wirtschaftszweigen wohl total speziell sein und daher liegt es nach wie vor vor allem in der Verantwortung des Arbeitgebers, sein Personal entsprechend einzuweisen und Können zu vermitteln.
Mit meinem Post wollte ich auch gar keine Nationalismusdebatte anfangen (Mit der Freizügigkeit bei ausländischen Arbeitskräften ist das wohl auch eine Frage des Augenmasses, da gibt es durchaus auch positive Aspekte für alle Beteiligten) sondern einfach darauf hinweisen, dass der Indikator weniger absolut zu verstehen ist als der Leser vielleicht vermuten würde.
Wenn dem “Kräftenotstand” ein Heer von arbeitslosen IT-Fachkräften entgegensteht, so kann man sich bei der Gestaltung seines Weltbildes überlegen, ob es entweder den Kräftenotstand gar nicht gibt oder die IT-Fachkräfte alle arbeitsunwillige, unfähige Alkoholiker sind. Sehr deutlich wird die Diskrepanz im Bereich der Elektrotechnik und des Maschinenbaus, wo ja auch immer “Händeringend” gute Leute gebraucht werden. Sehr Unterhaltsam dazu die (im Internet leicht auffindbaren) Stellenbeschreibungen, da wird mein oben angeführtes Beispiel von der Wirklichkeit mitunter übertroffen!
“gar keine Nationalismusdebatte ” hat das jemand behauptet?
“Was erwarten Sie denn von einer Standardausbildung? … ” armes Deutschland! “Also ich würde sagen: Lesen, Schreiben, Rechnen”, wenn sie das wenigsten noch könnten! Beispiele gibt es hundertfach, weil Ausbildungseinrichtungen nicht sorgfältig aufeinander abgestimmt sind und eher der Quoten halber die Schüler durchlassen. Oberlehrer, Autor hier, kann ein böses Lied davon singen.