Neue Rentenstrategie
Immer heftiger wird in der Öffentlichkeit darüber diskutiert, wie denn die Rentenversorgung sicher aufrecht erhalten werden kann. Dabei scheinen sich Experten, Bundesregierung und Medien in der Angabe des möglichen neuen Renteneintrittsalters zu überbieten.
77
Das ist die neue Zahl, die von dem hochwohllöblichen Professor Sinn scharf verteidigt wird. Damit, Gratulation für alle, wird das Szenario optimalerweise wie folgt aussehen:
- Berechnen hier Sie Ihre Lebenserwartung; Berechnungssystem mit Hilfe der Uni Zürich; ( Ergebnis bei mir: 82 Jahre )
- Nun wissen Sie, ob Sie zwischen 77 und ihrer Lebenserwartung überhaupt noch eine positive Zeit haben.
Also, ich hätte gerade mal 5 Jahre noch Zeit, meinen letzten Lebensabschnitt zu “genießen”; zieht man davon etwa 1 Jahr ab, bleibt vielleicht ein effektiver Genuß von 4 Jahren nach Beendigung meines Berufslebens. Eine wirklich tolle Leistung unseres Sozialsystems.
Vielen mag es auch so ergehen, dass sie, kaum sind sie von dem Beruf in die Rente gekommen, bereits in der Kiste Platz nehmen müssen. Eine wirklich tolle Leistung unseres Sozialsystems.
Und ebenso eine tolle Leistung sind nun die Kommentare: WIR HABEN ZU WENIGE KINDER GEZEUGT!
Und ebenso eine tolle Leistung sind Hinweise: JE ÄLTER WIR WERDEN, JE LÄNGER MÜSSEN WIR ARBEITEN.
Erinnern Sie sich:
- an Blüm “die Rente ist sicher“?
- Rentenexperte Raffelhüschen am 21.07.2007:„Jetzt ist die Rente wirklich sicher“.
Eine Sicherheitsexpertise nach der anderen! Sagen Sie, lieber Leser, sind Sie der Überzeugung, dass Blüm wirklich nicht den Altersaufbau Deutschland wußte? Meinen Sie, dass nicht irgend ein Fachmann in dem Sozialministerium ihm die Ableitungen mitgeteilt hat? Ist die Erkenntnis, dass wir zu wenige Kinder haben, wie Steine plötzlich vom Himmel gefallen?
Wenn Sie ‘nein’ gesagt haben, dann liegen Sie mit Sicherheit richtig. Aber unsere Politiker haben die drohende Botschaft zurückgehalten, damit die warmen Bundestagsmandate weiterhin ihr Leben sichern. Aber bereits Adenauer kannte bei der Einführung des Solidarsystems Rente, dass das Rentensystem ca. 30 Jahre nach der Einführung platzen würde. Es bleibt der fahle Geschmack: das Volk wurde betrogen, so dass wir heute von dem Kollaps stehen.
Warum stehen wir denn wirklich vor dem Kollaps? Wir hätten uns wie die berühmten Karnickel vermehren müssen, um dieses System zu retten. Wer nachrechnet, der wird feststellen, dass Kinder nicht wirklich die Rettung sind, sie können bestenfalls den Kollaps verzögern.
Ein wesentlicher Faktor ist die deutliche Verschiebung der Geldverteilung: immer offensichtlicher ist, dass SPD und CDU ( von der FDP gar nicht zu reden ) den Schwerpunkt auf Vermögensverteilung zugunsten der Reichen in Deutschland legen; so hat sich die Schere immer weiter auseinander entwickelt, so krebsen immer mehr Menschen am Existenzminimum; wer am Existenzminimum lebt, der entwickelt weniger den inneren Drang nach Kindern, der denkt vielmehr ‘welche Zukunft kann ich meinem Kind denn bieten?’ oder ‘was tu ich meinem Kind an, einer solchen ( vermeintlichen ) Zukunft entgegen zu sehen’.
Die Regierung, das muß man Frau merkel wirklich bescheinigen, hat einen hervorragend Erfolg darin, die Presse alles im besten List erscheinen zu lassen, wie grausam auch immer die Zahlen sind, sie werden umgedeutet, wie grausam auch immer die Einzelschicksale sind, sie werden als nicht symptomatisch definiert … Und immer ist eine riesige Informationslandschaft da, die wie gleichgeschaltet posaunt!
In einer solchen Situation den Mut zu haben, NEIN!, so ist es nicht zu sagen, das heißt Rückgrad zu haben! Es gibt einige Veröffentlichungen, leider fast alle außerhalb der offiziellen Massenmedien. DD würde erwartet haben, dass Interessenvertretungen wie der Sozialverband Deutschland SoVD, Präsident Adolf Bauer, oder der Sozialverband VdK Deutschland, Präsident Walter Hirrlinger, sich für die Interssen der Menschengruppe einsetzen würden, die Deutschland aufgebaut haben! Jedoch diese Leistung wurde konsequent geschliffen, weil sie anders zu einer moralischen Verpflichtung geworden wäre, die bei den gegebenen Verteilungsprioritäten nicht zu halten gewesen wären. Sowohl Bauer als auch Hirrlinger scheinen ihre Leistung auf eine Pressearbeit und Publikationen zu beschränken; ein effektives Ergebnis können die vielen Rentner nicht erkennen.
Und welche Partei kümmert sich um diese Personengruppe? Die grauen Panther, die als Generationen Bewegung öffentlich auftreten, haben sich durch mögliche Finanzturbulenzen ins zeitweise Abseits gestellt und versuchen, zunächst zu retten, was zu retten ist. Man kann aus Gerechtigkeitsgründen hoffen, dass sie wirklich eine offensive Arbeit machen, weil diese Rentnergeneration andererseits unter die Räder gerät, so wie das die SPD und CDU planen.





Also überall wird für die private Rentenvorsorge Werbung gemacht (Riester). Ich halte folgende Strategie für grundsätzlich sinnvoll:
Eine Kiste Silber kaufen (500 Silbermünzen zu je 31,1 g, insgesamt rund 6.500 EUR). Da weiß man, was man hat.
Also erst dann, wenn man zuhause ein ganz bisschen Edelmetall eingelagert hat, dann kann man meiner Meinung nach in einer zweiten Stufe über die private Rentenvorsorge nachdenken, wenn man denn unbedingt will.
Auch ich kenne die Zukunft nicht, aber ich vertraue dem tatsächlichen Eigenbesitz, dem Eigentum, der tatsächlichen Verfügungsgewalt.
Im übrigen kann zur privaten Rentenvorsorge usw. sehr gut bei den NachDenkSeiten häufig nachgelesen werden. Dort wird der ganze Zauber sehr umfassend enttarnt.
Warum Rente ab 77? Ich habe vom Hörensagen gehört, dass man in Frankreich bei den Lokführern um die Rente ab 55 streitet (keine richtige Quelle, wurde mir mündlich gesagt). Also es ist schon fast egal, welche Zahl man nimmt.
Im übrigen: Die Lebenserwartung eines Menschen liegt nach meiner Überzeugung bei im Durchschnitt etwa 80 Jahren (es gibt immer Abweichungen vom Durchschnitt nach oben und nach unten), wenn alles gut läuft (keine Krankheit, kein Arbeitsunfall etc.). Also die Menschen werden in 20 oder 30 Jahren nicht im Durchschnitt 100 Jahre alt werden, sondern im Durchschnitt etwa 80 Jahre alt werden. Es werden halt voraussichtlich mehr Menschen sein, die dieses relativ hohe Alter erreichen werden. Weitere Informationen: Demographie, Renten und Alter, Teil 1
Es wird im Grunde genommen nur gelogen in der gegenwärtigen Propaganda. Dabei kann man die Propaganda dank NachDenkSeiten, dank jjahnke.net sehr gut analysieren und nachvollziehen.
Oben im Artikel geht es auch um die Kinder. Nur mal keine Angst haben, Prognosen über lange Zeiträume sind sowieso unseriös. Wer kennt schon die Zukunft, wie sie in 20 oder 30 Jahren aussehen wird? Da kann noch viel passieren.
@MoW: ja, das ist richtig mit den Lokführern in Frankreich. Die haben ein gänzlich anderes System; woher das Geld allerdings kommt, weiß ich nicht; übrigens ist das der Grund für Sarkozys derzeitigen Probleme.
Link wegen Rente mit 77: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/wirtschaft/news/503844
“Also es ist schon fast egal, welche Zahl man nimmt.” nein, für den, der ehrliche Vorsorge machen will, der sollte schon wissen, was auf ihn zukommt. Das ist aber seit Jahren das Problem der Politiker: sie quaseln wie an einem Imbißbudenstand.
Ihre Meinung zu jjahnke.net teile ich!
Wieder einmal eine excellente Analyse dieses Dauerbrenner-Themas. Nirgends wird soviel getrickst und getäuscht. Absolute Verlierer sind die Rentner, denn sie haben keine Lobby, die irgendwelchen Druck ausüben kann. Einzig die Versicherungswirtschaft zieht aus der Rentner-Malaise großen Nutzen. Die Deutungshoheit ist übermächtig mit von den Versicherungen und Banken abhängigen Professoren besetzt, die dann noch in den sogenannten Expertengremien den herrschenden Partien die Steilvorlagen liefern, die
Staatliche Rentenversicherung immer mehr verkommen zu lassen. Auch die Meinungsbildung durch die Medien wird vom gleichen Personenkreis querbeet beackert, so dass landauf landab die Meinung vorherrscht: zum augenblicklichen Kurs der sozialen Demontage gibt es keine Alternative.- Ein besonders trauriges Kapitel nimmt in diesem Zusammenhang die herrschende Rechtssprechung ein. Obwohl bekannt und nachweisbar ist, dass durch versteckte Rentenkürzungen in den letzten 4 Jahren (Nullrunden, Gesundheitskosten, gesetzliche Entscheidungen)der Durchschnittsrentner einen Verlust von über 10 Prozent zu beklagen hat, was bedeutet dass mehr als eine Monatsrente im Jahr weniger verfügbar ist, entschied das Bundesverfassungsgericht im Jahre 2007 (1 BvR 824/03, 1 BvR 1247/07) u.a. mit folgender Begründung: Es handelt sich bei Nullrunden um “zeitlich begrenzte, punktuelle Ausnahmen” und “dadurch verlieren die Renten nicht ihre Funktion als substanzielle Alterssicherung”. Diese Entscheidung ist unanfechtbar! – So sind die Rentner hier in Deutschland auf absolut verlorenem Posten – verdammt in alle Ewigkeit!!!
Vorsorge ist so eine Sache. Die Menschen, deren Einkommen mit HartzIV aufgestockt werden muss, hat sich rasant erhöht und die Zahl hat die Millionengrenze überschritten. Wovon sollen die vorsorgen? Im Klartext heißt so eine exotische Zahl wie 77 nur, dass keine Rente gezahlt werden soll. Durch Arbeitshetze in Büros und körperliche Arbeit in anderen Berufen, ist es wohl gar nicht möglich bis 77 zu arbeiten, wenn es überhaupt gewünscht wäre. Und immer davon zu sprechen, dass zu wenig Kinder da wären, ist auch nur eine Verkleisterung der Tatsache, dass diese Kinder ja auch einen Job haben müssten. Das sehe ich nicht. Des Weiteren ist die Arbeitsproduktivität so enorm gestiegen, dass nicht mehr so viele Menschen benötigt werden um mehr herzustellen, als noch vor einigen Jahren. Dass die Wenigen dann natürlich nicht allein die Sozialabgaben tragen können ist logisch. Dieser Aufgabe muss man sich stellen, wie dann das Rentensystem aufgestellt werden sollte. An der Zahl bräuchte man da nicht herumzubasteln, wenn man mal sein Hirn einsetzten würde.
Ja, Petra, Du hast recht. Was folgt daraus: Sowohl die jetzigen als die zukünftigen Rentner sind ohne Perspektive. Gerade das wird ja augenblicklich als der Weisheit letzter Schluss apostrophiert: die Zwangsteilnehmer des Sozialsystems sollen sich gefälligst selbst finanzieren. Du glaubst doch nicht wirklich ernsthaft, dass die Wirtschaft bereit und willens ist, einen irgendwie gearteten “Maschinen-Sozial-Beitrag” zu leisten? Nein, auch die zusätzliche Vorsorge reicht nicht aus, um die eigene Alterssicherung wirkungsvoll zu betreiben, wie gerade aktuelle Untersuchungen gezeigt haben. Profiteure sind ausschließlich Banken und Versicherungen, was mich nur etwas wundert, dass der Faktor “Binnenkonjunktur” so völlig vernachlässigt wird…