Armutsbericht 2007
In der FAZ vom 6.8.2007 findet sich auf Seite 7 der Leserbrief von Dr. Reinhard Stute, Saarbrücken, in dem er einen FAZ Artikel vom 14.7.2007 kommentiert. In diesem ursprünglichen FAZ Artikel, “Wir Billigflieger”, ging es darum, dass Niedrigpreise inzwischen wichtigstes Auswahlkriterium für Kaufentscheidungen geworden ist.
DD muss mit Stute darstellen, dass die Flucht zu Niedrigpreisen nicht eine freiwillig gewählte ist, sondern von den Rahmenbedingungen aufgezwungen wird:
- das verfügbare Nettoeinkommen der breiten Masse der Bürger, nicht Top- Manager, wird immer weniger,
- der Staat raubt der breiten Masse der Bürger immer mehr durch laufende Steuern- und Abgabenerhöhungen bzw. Verschlechterung der steuerlichen Rahmenbedingungen,
- Preiserhöhungen auf breiter Front reduzieren bestenfalls das verfügbare Restgeld der Haushaltskasse, im schlechteren Fall erhöhen sich Schulden, die immer mehr zur privaten Insolvenz führen
- die von den Politikern jeglicher Couleur unterstützen ständigen Bestrebungen der Unternehmerschaft, das Lohnniveau in Deutschland abzusenken,
- die mangelhafte Umsetzung der vereinbarten Lohnerhöhungen durch Unternehmer,
- die ständigen Erpressungen der Unternehmer im Falle zu hoher Lohnabschlüsse in Deutschland Unternehmen zu schließen und zu verlagern ( Folge der Globalisierung und der von Deutschen Politikern ausgehandelten EU- Verträge ),
- die Gewerkschaften sind zu einer “lame duck” geworden, praktisch spielen diese keine Rolle mehr als Tarifvertragspartner, sie sind Teil eines umfassenden Gesamtnutzersystems geworden und haben ihre Rolle als Arbeitnehmervertreter aufgegeben,
- schamlose Preiserhöhungen in Verbindung mit fast als betrügerisch zu bezeichnenden Statistikfälschungen,
- Ermahnungen des Staates zur Eigenversorgung im Alter senken zusätzlich das frei verfügbare Nettoeinkommen …
Wenn also eine sehr gut verdienende Redakteurin an ihrem gemütlichen ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz beklagt, dass das Volk nach Niedrigpreisartikeln Ausschau hält, dann hat das für DD fast die Qualität, wie der Satz, der Marie Antoinette zugeschrieben wurde “Wenn das Volk kein Brot zum Essen hat, soll es doch Kochen essen!” Auch Marie Antoinette und ihr königlicher Gemahl waren weit weg von dem Volk, von der breiten Masse, weil sie sich ihr eigenes Bewußtseinsreich aufgebaut haben, fernab von der Wirklichkeit des harten Lebens “unten”, beim Volk.
Es wäre der FAZ- Redakteurin gut angestanden, vor der Publizierung ihres Artikels etwas mehr die Wirklichkeit zu recherchieren: http://www.ftd.de/politik/international/:Soziale%20Ungleichheiten/223887.html Goldman Sachs, sicherlich über jeden sozialistischen Gedanken erhaben, ermittelte, dass der Preis für das Wachsen der Standards in den Schwellenländern sei, dass die Ungleichheiten in den großen Industrieländern gewachsen seien. Einfacher ausgedrückt: die Beseitigung der Armut in den Schwellenländern erzeugt Armut in den großen Industrieländern.
Es ist die soziale Perfidie von Goldman Sachs, dass gefordert wird, diesen Trend der zunehmenden Armut in den großen Industrieländern nicht durch wirtschaftspolitische Maßnahmen zu stoppen. Goldman Sachs weiß sehr genau, dass es darum geht, ihrer Klientel, dem Großkapital, den Großunternehmern, den Boden zu bereiten, auf dem sie ihre Gewinne weiter einfahren können.
Abschlußbemerkung: es lohnt sich, einmal einen Vergleich des 18. Jahrhunderts in Frankreich mit heute zu wagen. Es ist zu fürchten, dass sehr viele Gemeinsamkeiten bestehen. Bekanntlich führte ja die totale Ignoranz des französischen Königs zur “französischen Revolution” durch das Volk.



