Einkommen in Deutschland – updated
Wir hatten hier eine interessante Diskussion: ist die Binnenmarktnachfrage wegen Sättigung der Haushalte ( siehe hier Abschnitt 2 ) ( siehe auch hier ausstattung-der-haushalte-mit-gutern.xls ) so schlecht oder liegt es an den geringen Nettoeinkommen großer Bevölkerungsteile in Deutschland?
Wir haben festgestellt, dass die veröffentlichten Statistiken sich teilweise widersprechen: es wurde eine Statistik gefunden, die von Reuters Nettoeinkommen großer Bevölkerungsteile in Deutschland erstellt wurde und eine andere, die vom statistischen Bundesamt aus den amtlichen Daten ermittelt wurde ( STATIS ):
Dieses Bild zeigt die absolute Verteilung der Nettoeinkommen in Deutschland im Jahre 2005. Die Einkommen liegen zwischen 300 und 1100 Euro/Monat innerhalb von 4 Einkommensklassen bei jeweils ca. 10%.
Ein besonders aussagefähiges Bild würde die Summenhäufigkeitsverteilung aufzeigen:
In dieser statistischen Verteilung kann man zum Beispiel ablesen, dass ca. 60% aller Haushalte 1200 Euro oder weniger Nettoeinkommen haben.
2. Daten des statistischen Bundesamtes
Bringt man die Daten des statistischen Bundesamtes in ein Chart, ergibt sich folgendes Bild:
In erster Näherung haben jeweils ca. 16% der Haushalte ihr Einkommen in den 4 Einkommenklassen von 900 bis 2000 Euro. Es ist schon für eine große statistische Zahl merkwürdig, dass die Daten des statistischen Bundesamtes in der Einkommensklasse 1300 bis 1500 einen “Einbruch” aufweisen; sind hier statistische Fehler?
Ein besonders aussagefähiges Bild würde die Summenhäufigkeitsverteilung aufzeigen:
Nach den Daten des statistischen Bundesamtes haben ca. 38% aller Haushalte ein Nettoeinkommen von unter 1300 Euro.
Vergleicht man die Daten von Reuters, 60% unter 1200 Euro, mit den Daten des statistischen Bundesamtes, 38% untter 1300 Euro, dann ist die Frage, welchen Daten man eher glaubt.
Würde man – ungeachtet der oben beschriebenen Unklarheit der Korrektheit der Statistiken – die Konsumausgaben privater Haushalte ( Link siehe unten ) mit den Nettoeinkommen vergleichen, ungeachtet der weiter unten beschreibenen Probleme der statistischen Daten, käme heraus, dass fast 35% aller Haushalte in ihrer Existenz bedroht wären ( 13,7 Mio Haushalte ).
Verfügbares ungebundenes Nettoeinkommen
Wie kommt man über die Nettoeinkommen zur potentiellen Binnenmarktnachfrage der Privathaushalte?
Vom Nettoeinkommen müssen die lebensnotwendigen Kosten ( Lebenshaltungskosten ) abgezogen werden, dann hat man das verfügbare ungebundene Einkommen, das grundsätzlich zur erweiterten Binnenmarktnachfrage verfügbar wäre.
Lebenshaltungskosten
Die Lebenshaltungskosten werden vom statistischen Bundesamt berechnet.
- Erstes Problem:
Die Statistiken von Reuthers, mit denen die obigen Nettoeinkommen berechnet wurden, gehen davon aus, dass es 61,8 Mio Haushalte 2005 gibt. Das statistischen Bundesamt weist aus, dass in Deutschland 2005 82,4 Mio Menschen gelebt haben. Also im Durchschnitt 1,33 Menschen/Haushalt. Die vom statistischen Bundesamt berechneten Lebenshaltungskosten gehen aber von einem durschnittlichen 4 Personenhaushalt aus. Würde man die Lebenshaltungskosten eines 1,33 Menschen/Haushalt mit denen eines 4 Menschen/Haushaltes vergleichen, würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. [ Hinweis: Nach dieser Statistik gab es 2005 14,7 Mio Einpersonenhaushalte. Das statistische Bundesamt listet die Anzahl der Haushalte in den einzelnen Bundesländern auf: in Summe ergeben sich 39,2 Mio Haushalte, bei 82,4 Mio Bürgern ergibt sich eine durchschnittliche Haushaltgröße von 2,1 Haushaltsmitgliedern/Haushalt. Ob also die Reuter Statistik stimmt, ist aus diesem Aspekt zweifelhaft! ]
Auf jeden Fall bleibt festzustellen, dass über die Lebenshaltungskosten wir nicht weiterkommen.
Das statistische Bundesamt weist auch die Konsumausgaben privater Haushalte aus ( Beschreibung des Verfahrens ).
- zweites Problem
In dieser Statistik befinden sich zwar die Konsumausgaben eines privaten Haushaltes auch auf der Basis der Befragungen, für 2005 ergeben sich Ausgaben in der Höhe von 1256 Euro/Monat und Haushalt. Man kann unterstellen, dass, wenn die Zahl aufgrund von Befragungen herauskommt, dass der statistisch mittlere Haushalt befragt wurde, also zur Grundgesamtheit bei der Stichprobe kein signifikanter Unterschied besteht. Aber: es ist zu vermuten, dass die Konsumausgaben signifikant abhängig sind vom Nettoeinkommen des Haushalts. Eine solche Statistik habe ich bisher noch nicht gefunden.
Also: Momentan geht es hier nicht weiter. DD wird dieses Thema verfolgen.









Schöne Grafiken. Thematisch passt vielleicht auch der Artikel von heute
Die Deutschen sind im Durchschnitt reicher geworden.
Im Übrigen vermisse ich bei diesen Überlegungen den Bezug zur Geldmenge und zur Geldumlaufgeschwindigkeit. Denn es besteht doch ein Zusammenhang zur Einkommensentwicklung bei den privaten Haushalten.
Thematisch passt vielleicht auch der Artikel von heute “Die Deutschen sind im Durchschnitt reicher geworden”. Ja, würde man eine Statistik machen, wie die NachDenkSeiten beschreiben, dann wäre es sicherlich richtig. Nur, Meudalherr, es sind ja bei den obigen Statistiken angeblich ( DD kann dieses nicht prüfen )
a) Umfragen gemacht und es sind
b) Einkommensklassen aufgestellt worden
dann kann nur eine Zahl so zynisch kritisiert werden: die Konsumausgaben eines privaten Haushaltes. Diese Kritik habe ich auch angeführt. Was soll dann der zusätzliche Hinweis, ich verstehe es nicht.
Vermissen kann jeder alles, Meudalherr, ich empfehle, die von Ihnen sehr geschätzte Geldmenge/Umlaufgeschwindigkeit, über die wir an anderer Stelle bereits gesprochen haben, einmal als qualifizierte Information hier einzubringen!
Zum dem von Ihnen angeschnitten Beitrag der NachDenkSeiten:
1. Diese Seite macht es sich verdammt einfach: sie läßt keine Postings, bis auf e-Mails, auf die sie nur selten antworten werden, zu.
2. Dass die NachDenkSeiten den Finger in eine der statistischen Wunden legen, ist sicherlich begrüßenswert, weil es inzwischen Mode geworden ist, sogenannte Nonsenskorrelationen oder blödsinnige Mittelwerte zur Begründung seiner politischen Botschaft zu nutzen. Insbesondere neoliberale Publikationen scheuen vor solchen “Interpretationen”, vor denen wir in der Uni bestens gewarnt wurden, nicht zurück.
Ein Hinweis noch: es steht jedem frei, diese Seite als Informations- und ernstes Diskussionsmedium zu nutzen oder auch nicht. Ich denke, die Leser hier wissen vielleicht eine non-Mainstream Publikation zu schätzen, insbesondere, weil immer häufiger ernsthaft diskutiert wird; dem Anspruch, partizipativ zu sein, kommen wir dadurch immer mehr nahe.