GfK, IFO, GmbH & Co KG
Emotional würde man sagen: “Leute, tickt’s noch alle?”, distanzierter würde man titeln: “Wie wahr sind eigentlich Prognosen und Statistiken?”
Am 26. April 2007 titelt die WELT “Deutsche in bester Kauflaune”, mit Hinweis auf die Gesellschaft für Konsumforschung, GfK.
Am 30. April 2007 titelt dieselbe WELT “Einzelhandel verbucht überraschenden Rückgang” mit Hinweis auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die ausweisen, dass die Umsätze des Einzelhandels um – inflationsbereinigt – 1,2% gesunken sind. Auch saison- und kalenderbereinigt ist der Trend rückläufig.
Da der WELT die redaktionelle Schlüssigkeit wohl selber nicht klar war, lieferte man die Erklärung gleich mit: während die GfK lediglich von der Stimmungslage spricht, liefert das Statistische Bundesamt harte Zahlen der Stimmungslage: minus!
Liest man jedoch den Bericht Deutsche in bester Kauflaune” genau, fallen Sätze wie
“Vor allem der Konjunktureuphorie der Verbraucher seien derzeit keine Grenzen gesetzt” oder
“Die Einkaufsstraßen sind wieder gefüllt – wie hier in Köln”
und können suggerieren: “Kaufen auch Sie, wenn Sie nicht kaufen, dann gehören Sie zu den Sonderlingen”!
Nichts als von der distanzierteren Betrachtung des Artikels vom 30. April 2007.
Wie paßt denn dieses Geschwätz der Medien zusammen?
- Medien verdienen mit Werbung, Werbung braucht eine positive Grundstimmung, Voreingenommenheit und Ablehnung erzeugen Widerstand gegen die Werbung
- Alltagserkenntnis: der Markt besteht zu einem großen Teil aus psychologischer Stimmungs- Beeinflussung; hier helfen manche Medien und manche Statistiker kräftig mit
- Sicherlich wollen einige in diesem Land die Binnenmarktnachfrage unterstützen, wohl wissend, dass ein Aufschwung ohne eine binnenwirtschaftliche Unterstützung keine Nachhaltigkeit zeigt.
Wir haben mehrfach über die Binnenkunjunktur geschrieben: zum Konsum bedarf es des tatsächlichen Bedarfs der Haushalte! Bei Lebensmittel ist das allen einsichtig und kein Problem, bei den Haushaltsgütern oder Großanschaffungen wird die Sachlage schon schwieriger: Wer das Volk von einer Krisenstimmung und “Reformidee” in die nächste schickt, wer dem Volk in jeder freien Minute mitteilt, dass Altersarmut droht, Mangelversorgung in der Gesundheit, wer dem Volk durch “ungeschickte”, um nichts anderes zu sagen, Politik das verfügbare Einkommen kürzt, der soll sich doch nicht wundern, dass Kaufzurückhaltung auch nicht durch noch so tolle psychologische Beeinflussung überbrückbar ist.
Dabei haben wir gar nicht die Hindernisfaktoren der gesellschaftlichen und individuellen Veränderungen angesprochen:
- die Gesellschaft wird immer älter; wer glaubt denn, dass die vielfach durch Währungsreform und schlechte Zeiten gebeutelten älteren Menschen wirklich das Füllhorn ihrer Schatulle, so sie die denn haben, aufmachen?
- wer glaubt denn wirklich, dass die älteren und reichen Rentner, die in ihrem Haushalt bereits alles mehrfach haben, mit dem Hackebeilchen alles zertrümmern und neu kaufen?
- die Gesellschaft hat immer weniger Kinder; damit fallen auch potentielle Kunden weg; die Offensive der Leyden will diesen Trend ja nun stoppen
- die Gesellschaft besteht immer mehr aus einem minderbemittelten Armenhaus ( Thema: Zweiklassengesellschaft ); wer glaubt denn, dass die, die ohnehin kaum noch was haben, die für 4 Euro/Stunde brutto arbeiten, die Wirtschaft durch ihr besonderes Kaufverhalten anregen?
- Wer glaubt denn wirklich, dass die gut situierten Familien plötzlich, ohne ihren Haushalt mit 4 Tiefkühlschränken und 21fachen Goldrandtassen aus ihrem Häuschen zu retten, die Planierraupe kommen lassen und dabei fröhliche Lieder im Vorgriff auf ihr Superluxushaus ( siehe einige Bausparwerbung ) singen werden?
- Wo sind denn die technologischen Innovationen, die uns alle plötzlich kaufen lassen und den Konsum anheizen? Wenn man allein die stümperhafte Umsetzung des HDTV betrachtet, dann ist dieses ein abschreckendes Beispiel für die strategischen Entscheidungen in den ÖR- Fernsehanstalten, die von unseren Politikern dominiert werden.
Die marktpsychologischen Spielchen sind Methoden von Leuten, die es eigentlich genau wissen können aber sich nicht trauen zu veröffentlichen, weil auch die Regierung ihre Klaquere liebt und braucht! Es hat sich ein verhängnisvoller Klüngel zusammengefunden, der in eine Scheinwelt eingetaucht ist, in der interpretationslose Zahlen die Macht übernommen haben, anstelle – wie eigentlich in der Politik – ehrlich und aufrichtig eine Prognose zu wagen, die dem Volk nicht schmecken wird:
Wir sind langfristig auf dem Rückwärtsweg, der Zenit unseres Wohlstandes auf breiterer Basis ist überschritten, wir haben Jahrzehnte von dem weltwirtschaftlichen und welttechnologischen Gefälle gelebt und zahlen nun zurück, was wir nach dem Kriege angehäuft haben.





Prognosen sind z.T. Kaffeesatzleserei und zum Teil Meinungsmache und zum geringen Teil seriöser Hintergrundbericht.
Vor wenigen Tagen berichtete eine Bausparkasse, dass 2007 einen absoluten Minusrekord an Baugenehmigungen ergeben wird und vor einem Tag lese ich woanders, dass es im März in einem Bundesland einen Rekord an Baugenehmigungen gegeben hat.
Beides passt nur schwer zusammen.
Die Ausbeutung der Armen kann man nicht dadurch verhindern, dass man ein paar Millionäre zugrunde richtet, sondern indem man den wirtschaftlich Schwachen Wissen bringt und sie lehrt, mit den Ausbeutern nicht zusammenzuarbeiten. – Mahatma Gandhi
@ManfredP1961: diese Erkenntnis stammt aus einer Zeit, als Indien – nichts anders als heute – ein riesiges Potential hatte und der Gebildetere mit Leichtigkeit Arbeit finden konnte. Trifft eine solche Beschreibung auch für die alten hochindustrialisierten Länder zu? Ich meine insbesondere Deutschland? Wenn nein, dann hilft leider die Erkenntis von Ghandi nicht!
[...] viel fundamentalere Dinge eine Rolle als das Reden über Inflation! Es findet insbesondere eine mediale Gehirnwäsche auf breiter Basis statt, an der sich der Tagesspiegel krüftig [...]